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Artikel der Kategorie ‘Reportagen/Berichte’

Antibiotikaresistente Bakterien – NDM-1 -Todesopfer in Belgien

August 15, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Delmenhorst (em) Kaum wurde die Schweinegrippe für beendet erklärt, schon wird wieder Alarm geschlagen. In diesem Fall handelt es sich um die neue Superbazille NDM-1, die angeblich gegen jegliche Antibiotika resistent ist.Dieses Bakterieum sorgte nun in Belgien für den ersten Todesfall.

In Belgien ist ein Mann an einer Infektion mit dem schwer zu bekämpfenden neuartigen Superbakterium NDM-1 gestorben. Das bestätigte der Mikrobiologe Denis Pierard vom Brüsseler Universitätsklinikum. Bei dem Toten handele es sich um einen in Belgien lebenden Pakistaner. Dieser habe sich im Juni beim Urlaub in der Heimat am Bein verletzt und offenbar bei der Behandlung in einer pakistanischen Klinik infiziert. Pierard zufolge handelt es sich wahrscheinlich um das erste NDM-1-Todesopfer auf dem europäischen Festland.

Nach Angaben des Forschers schlugen alle Behandlungsversuche mit Antibiotika fehl. Auch das Antibiotikum Colistin, das in einigen anderen NDM-1-Fällen gewirkt habe, sei bei dem Pakistaner nicht angeschlagen. Pierard schätzte die Gefahr einer Infektion in Europa jedoch als sehr gering ein. Praktisch alle bekannten Patienten hätten sich bei Behandlungen in pakistanischen oder indischen Krankenhäusern infiziert.

Forscher der Universität Cardiff vermuten den Ursprung des neuen NDM-1 Keims in Indien und Pakistan. Dorthin reisen viele Europäer und Amerikaner wegen billiger Schönheitsoperationen. Aus unsteriler Behandlungen und teils mangelnder Hygiene soll nun das Enzym entstanden sein, welches auch in Bakterien wie E.coli vorkommen kann.Die stärkste Gruppe von Antibiotika (sog. Carbbapeneme) soll nichts nützen. Diese Gruppe von Antibiotika wird sonst zur Behandlung von Infektionen, die von anderen multiresistenten Bakterien hervorgerufen worden, eingesetzt.

Bisher konnte der Keim laut bei 37 Menschen festgestellt werden, die sich unmittelbar vorher einer Schönheits-OP im Orient unterzogen hatten. Mittlerweile wurden Krankheiten in Verbindung mit NDM-1 in Großbritanien, Australien, Kanada, Schweden, den USA und den Niederlanden festgestellt. Das britische Fachmagazin Lancet schreibt, dass NDM-1 das Potenzial einer weltweiten Pandemie habe.Es sei eine koordinierte internationale Überwachung erforderlich. Johann Pitout, ein Mikrobiologe aus Kanada von der Universität von Calgary, schreibt dazu, dass die Konsequenzen einer mit NDM-1 verstärkten Krankheit ernst seien, wenn ein Allgemeinarzt täglich Infektionen von multiresistenten Bakterien behandeln müsse.

NDM-1 kann nur durch eine schnelle Identifizierung und Isolation des Patienten gestoppt werden. Sterile Handhabung in Krankenhäusern und Händewaschen mit Spezialseife sollen eine Ausbreitung vorbeugen.

Text: Sascha Vetter, einsatz-magazin.de

Reportage Berufsfeuerwehr Köln – Teil 1: Die Feuer- und Rettungsleitstelle

Mai 22, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte 16 Kommentare →

Wir hatten die Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen der größten Feuer- und Rettungsleitstelle in Nordrhein-Westfalen zu werfen. In einer Sonderführung erklärte uns der Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Köln, Dr. Daniel Leupold, die Arbeitsweise der Leitstelle.

Die Berufsfeuerwehr Köln


Mit insgesamt 1100 Beschäftigten zählt die Berufsfeuerwehr Köln zu einer der größten in Deutschland. 1000 der Beschäftigten sind Beamte der Stadt Köln, 100 Beschäftigte arbeiten als Angestellte im öffentlichen Dienst in den einzelnen Abteilungen. Zur Berufsfeuerwehr Köln gehören 11 Feuer- und Rettungswachen, welche sich auf das Stadtgebiet verteilen, sowie eine Feuerlöschbootstation im Deutzer Hafen. Weiterhin stellt die Berufsfeuerwehr medizinisches Personal für den Rettungshubschrauber „Christoph 3“ und den Intensivtransporthubschrauber „Christoph Rheinland“ welche auf dem Köln/Bonner Flughafen stationiert sind.

Die Strukturierung der Berufsfeuerwehr Köln richtet sich nach den Gegebenheiten der Stadt. Geprägt wird die Stadt Köln durch einen Gürtel chemischer Industrie, einem internationalen Verkehrs- und Frachtflughafen,  medizinisch-biologischer Forschung sowie einem Autobahnring welcher sich einmal um das gesamte Innenstadtgebiet zieht. Einsatztechnisch gilt es für die Berufsfeuerwehr Köln jährlich ca. 106.000 Einsätze abzuarbeiten. Tendenz steigend.

Die Leitstelle

Das Herzstück der Berufsfeuerwehr Köln bildet die Feuer- und Rettungsleistelle. In das Führungs- und Schulungszentrum an der Hauptfeuerwache im Stadtteil Weidenpesch integriert, ist sie seit 2006 im Einsatzbetrieb. Jährlich werden hier ca. 500.000 Anrufe über die Notrufleitungen der Stadt angenommen. Von diesen ca. 500.000 Anrufen jährlich werden ca. 106.000 Anrufe weitergehend bearbeitet und disponiert.

Ausbildungs- und Führungszentrum der Berufsfeuerwehr Köln

Einsatzzahl aufgeschlüsselt:

-          ca. 75.000 Rettungsdiensteinsätze

-          ca. 22.000 Notarzteinsätze

-          ca.   2.500 Brandschutzeinsätze

-          ca.   6.500 Technische Hilfeleistungen

Der Leitstelle gehören insgesamt 64 Mitarbeiter an. Als Sollstärke pro 24-Stunden Dienst benötigt die Leitstelle zehn Disponenten. Weitergehend werden durch das Personal der Leitstelle vier Führungsassistenten für den Einsatzleitdienst gestellt, von Montag bis Freitag besetzt ein zusätzlicher Kollege die Telefonvermittlung im Wachgebäude der Feuer- und Rettungswache 5, sowie von Montag bis Freitag werden zwei zusätzliche Kollegen im 8-Stunden Dienst (Tagesdienst) für die Notrufannahme eingesetzt. Je nach Einsatzaufkommen und Tageszeit sind Parallel zwei bis sieben Einsatzleitplätze besetzt. Sollte es zu einem Großschadensereignis kommen, kann durch die vorhandene Personalreserve die Anzahl umgehend auf zehn erweitert werden.

Die Räumlichkeiten der Leitstelle verteilen sich auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene befindet sich der Leitstellenraum mit den Einsatzleitplätzen sowie ein Stabsraum in welchem kleinere Einsätze abgearbeitet werden. Auf der zweiten Ebene befindet sich der eigentliche Stabsraum in dem alle sog. „S“  Funktionen und sonstige Funktionen eines Stabes Platz finden.

Im Leitstellenraum stehen den Disponenten 18 gleichwertige Einsatzleitplätze zur Verfügung. Jeder ist mit sieben Monitoren ausgestattet. Zwei Einsatzleitplätze dienen im  Tagesbetrieb der Notrufannahme (8-Stunden Dienst). Von dort aus werden die Einsätze zur Disposition und Abwicklung an andere Einsatzleitplätze weitergegeben. Als Einsatzleitsystem wird in Köln „PfeilWeb“ der Firma Siemens für das Zuordnen und Alarmieren von Einsatzmitteln verwendet. Integriert in „PfeilWeb“ ist die Bedienung der Notruf- und Funkanlage. Die Notruf- und Funkanlage steuert bei Betätigung eine rote Leuchte am Einsatzleitplatz an. So ist für die restlichen Disponenten sofort ersichtlich dass dieser Disponent entweder einen Notruf annimmt oder gerade die Funktaste betätigt.

Leitstellenraum mit den Einsatzleitplätzen

Die einzelnen Anwendungen verteilen sich wie folgt auf die Monitore:

Monitor 1: PfeilWeb: Stadtplaninformation, z.B. Darstellung von Einsatzstellen

Monitor 2: PfeilWeb: Fahrzeugzustandsanzeige (Statusanzeige)

Monitor 3: PfeilWeb: Bearbeitungsbildschirm zur Einsatzbearbeitung

Monitor 4: Bedienung Notruftelefon und Funkanlage

Monitor 5: zusätzliche Programme wie beispielsweise Gefahrgutprogramme etc.

Monitor 6: Anzeige des Fachdienstes Feuerwehr

Monitor 7: Anzeige des Fachdienstes Rettungsdienst

Fahrzeugzustandsanzeige (Statusübersicht) hier Feuerwehr

Jedem Disponenten stehen als Bedienelemente Telefon, Maus, Tastatur und Headset zur Verfügung.

Als Telefonanlage kommt eine „HiPath 4000“ von Siemens zum Einsatz. Innerhalb der Telefonanlage stehen 60 Notrufleitungen zur Verfügung welche mit einer automatischen Umleitung im Fehlerfall versehen sind.

Bei besonderen Lagen oder im Falle eines Ausfalles der Leitstelle verfügt die Berufsfeuerwehr Köln über eine Notleitstelle. Die Kapazität der Notleitstelle umfasst fünf sofort besetzbare Einsatzleitplätze mit gleicher technischer Ausstattung wie in der Regelleitstelle. Drei weitere können im Bedarfsfall innerhalb von ca. 30 Minuten in Betrieb genommen werden. Der Standort der Notleitstelle ist geheim. Damit soll einer Fremdeinwirkung zum Lahmlegen des Notrufes durch beispielsweise Terroristen vorgebeugt werden.

Die Kosten für den Umzug mit Technik und Update des Einsatzleitsystems in die neuen Räumlichkeiten beliefen sich auf ca. 1,7 Mio. Euro.

Die Aufgaben der Kölner Leitstelle unterscheiden sich nicht wesentlich von denen einer anderen Feuer- und Rettungsleitstelle. Zu ihren Aufgaben gehören:

-          Notrufannahme und Notrufbearbeitung, Zuordnung von Einsatzmitteln der zuständigen Feuer- und Rettungswachen, Alarmierung der Einsatzkräfte

-          Dokumentation der Einsätze

-          Telefonische Hilfeleistung (Telefonberatung) beispielsweise in Form einer angeleiteten Reanimation

-          Führung eines zentralen Bettennachweises

-          Führungsunterstützung für den Einsatzleiter vor Ort in Form von Gebäudeinformationen usw.

Da im Stadtgebiet Köln ein Rettungshubschrauber sowie ein Intensivtransporthubschrauber stationiert sind fungiert die Leitstelle Köln als sog. hauptverantwortliche Trägerleitstelle für diese Hubschrauber.

Für besondere Schadenslagen, wie beispielsweise das Austreten einer Giftgaswolke, ist das Kölner Stadtgebiet in Warnzonen eingeteilt. Sollte solch ein Schadensereignis eintreten, wird durch Leitstellenpersonal anhand von Windrichtung und Verwendung einer Windkeule etc. die zu warnende Zone bestimmt und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr getroffen. Die Leitstelle verfügt über mehrere Möglichkeiten der Bevölkerungswarnung. Zum einen ist die Warnung über Sirenen möglich, weiterhin aber auch die Möglichkeit des Einsprechens in das laufende Radioprogramm von „Radio Köln“ oder das entsenden von Warnfahrzeugen. Die Stadt Köln ist zurzeit dabei das Sirenenwarnsystem flächendeckend wieder aufzubauen.

Copyright Text und Bilder: Andre Miebach

Länderübergreifende Katastrophenschutzübung „LÜKEX“ mit neuen Szenarien

Mai 16, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Berlin (ami) In den nächsten Jahren soll die länderübergreifende Katastrophenschutzübung „LÜKEX“ an denen bislang Bund und Länder beteiligt waren, neue Szenarien aufgreifen. Die bisherigen Absprachen in der Innenministerkonferenz sehen für das Jahr 2011 IT-Angriffe und im Jahr 2013 bioterroristische Angriffe auf Lebensmittel vor.  Im Detail ist geplant 2011 eine Kombination von zielgerichteten Angriffen wie z.B. Hacktivismus, Cyber-Terror, staatlich unterstützte Angriffe zu Üben, unter gleichzeitiger Ausnutzung von IT-Schwachstellen und von möglichen gesamtstaatlichen/gesamtgesellschaftlichen Folgewirkungen. In 2013 werden Szenarien zur Prävention der Lebensmittelkette vor bioterroristischen Angriffen (Einbringen von toxischen Stoffen oder Mikroorganismen in Futter oder Lebensmitteln) an versiert.

Airbags und Fahrzeugtechnik – Neue Herausforderungen für die Rettungstechnik

April 12, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Neue Fahrzeuge stellen zum Teil eine große Herausforderung für die Rettungskräfte dar. Die Sicherheitseinrichtungen werden immer komplexer und moderner. Moderne Rettungsgeräte stoßen immer wieder an Ihre Grenzen. Die Airbags sind bei der modernen Unfallrettung nicht mehr das Hauptthema, denn Zwischenfälle mit Verletzungen von Einsatzkräften sind nach dem bisher einzigen bekannten Ereignis in Ohio (USA) vor über 14 Jahren nicht mehr bekannt geworden. Unbeabsichtigte Auslösungen und die Technik der Gasgeneratoren sind allerdings weiterhin ein Thema. Die richtige Einsatztaktik und einfache Verhaltensregeln geben maximalen Schutz bei Rettungsarbeiten. Da die Airbags aber nur ein Teil eines komplexen Sicherheitssystems am modernen Fahrzeug darstellen, ergeben sich weitere und neue Fragen. Das gesamte Konzept der Fahrzeugsicherheit und die neuen Antriebstechniken rücken in den Fokus des Interesses. Dabei stehen mögliche Probleme bei Rettungsarbeiten im Vordergrund.

Gefahren Erkennen

Um Verletzungsrisiken für Einsatzkräfte zu minimieren, müssen Gefahren, die von der Fahrzeugtechnik ausgehen können, erkannt und Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Das sichere Erkennen von Antrieben, Airbags und Batterieorten ist bei der heutigen Fahrzeugmodellvielfalt problematisch. Ein Rettungs-Label könnte am Pkw angebracht werden, auf dem das Fahrzeug mit den erforderlichen Parametern stilisiert abgebildet wird. Die Automobilindustrie hat sich letztlich dagegen entschieden, da eine Einheitlichkeit bei den Herstellern nicht erreicht werden könnte. Und welcher Kunde kann noch Vertrauen in das Fahrzeug haben, wenn ihm ständig die Hinweise für die Feuerwehr vor Augen stehen? Rettungsleitfäden sind sehr umfangreich und allenfalls als Hintergrundinformationen für die Aus- und Fortbildung zu verwenden. Mögliche zukünftige Lösungen werden standardisierte Leitfäden mit Minimalinformationen sein, einfache Merkblätter sowie EDV- gestützte Versionen von Vor-Ort-Informationen. Daran arbeitet der Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung des Arbeitskreises V der Ständigen Konferenz der Innenminister und –senatoren der Länder (AFKzV) mit dem Ziel, eine vfdb-Richtlinie zur technischen Rettung zu schaffen. Eine weitere Möglichkeit der Informationsgewinnung stellt die schon erwähnte Kennzeichenabfrage durch die Feuerwehren am Einsatzort dar. Grundsätzlich ergeben sich dadurch die Vorteile der eindeutigen Modellzuordnung und Informationen über zusätzliches Gefahrenpotenzial, wenn das Fahrzeug z.B. zum Betrieb mit alternativen Energieträgern nachgerüstet wurde.
Neue Erkenntnisse

Eine aktuelle Studie zu schweren Verletzungen bei Verkehrsunfällen hat ergeben, dass neuere Fahrzeuge nicht nur eine größere Crash-Sicherheit aufweisen, sondern in den ersten Jahren statistisch auch deutlich weniger in schwere Unfälle verwickelt sind. Erst mit zunehmendem Alter der Fahrzeuge und stärkerer Marktdurchdringung treten diese Fahrzeuge häufiger im Unfallgeschehen hervor. Bisher ist dieses noch selten, denn gerade die Risikogruppen im Straßenverkehr fahren noch ältere Fahrzeuge. Unfallgeschehen mit Fahrzeugen welche moderne Fahrgastzellen, Elektro- oder Gasantrieb besitzen werden jedoch auf uns zukommen. Zukünftig wird wohl nicht mehr jede Feuerwehr in der Lage sein, flächendeckend mit Gerätschaften, Informationen und Ausbildung technische Hilfeleistungen an modernen Fahrzeugen erbringen zu können. Dafür werden besondere Ausbildungen und Spezialisten benötigt. Derzeit beginnen damit die Werkfeuerwehren der Automobilkonzerne, die Zugang zu Neufahrzeugen für Schneidversuche haben. Diese Versuche müssen dokumentiert und weitergegeben werden.
Technische Rettung nach Verkehrsunfällen

Allen technischen und gesetzlichen Vorkehrungen zum Trotz werden bei Verkehrsunfällen Personen in ihren Fahrzeugen eingeklemmt. Dieses konfrontiert Feuerwehren und Rettungsdienst mit zum Teil sehr komplexen Einsatzsituationen. Ziel der Rettungsmaßnahmen muss es sein, das Zeitfenster der Rettung am Unfallort so kurz wie möglich zu gestalten, um die Verletzten Personen innerhalb einer Stunde nach einem Verkehrsunfall in die für Sie geeignete Klinik zu verbringen. Im Trainingszentrum für Rettungsmedizin der Berufsfeuerwehr München wurden erste Versuche unternommen, folgende erste Erkenntnisse kamen zu Stande: Das Schneiden von Türscharnieren macht eben so Probleme wie das Durchtrennen der B-Säulen. Bei bestimmten Fahrzeugen sind die A-Säulen durch Rohrverstärkungen nicht mehr mit herkömmlichen Rettungsgeräten trennbar. Der obere Ansatzpunkt für die hydraulischen Zylinder (Abkippen des Vorderwagens) ist nicht mehr an der A-Säule, sondern am Armaturenbrettträger zu wählen. Die von der Automobilindustrie entwickelten Rettungsleitfäden sind sehr umfangreich und, wie vorher schon genannt, allenfalls für die Aus- und Fortbildung als Informationsquelle zu verwenden. Als Einsatzstelleninformation sind sie jedoch ungeeignet. Der ADAC hat als Serviceleistung für die Feuerwehren unter der Internetadresse www.adac.de/unfallforschung in der Rubrik „Rat für Retter“ eine Übersicht zu den aktuellen Links der Hersteller zusammengefasst. Eine weitere Zusammenstellung von Rettungsleitfäden finden Sie unter www.rettungsleitfaeden.com. Auch die Kennzeichenabfrage durch die Feuerwehren stellt eine Möglichkeit der Informationsgewinnung dar, wozu jedoch zuerst die gesetzlichen Rahmenbedingungen angepasst werden müssten. Der AFKzV hat sich des Problems angenommen. Mit der Task Force „Retten und Bergen“ des VDA wurden folgende Schritte zur Verbesserung der Unfallrettung in der Zukunft vereinbart: Problemanalyse, Kontrolle des Rettungsstandards, Erarbeitung geeigneter Informationen an Unfallstellen, Diskussion geeigneter Informationsverbreitung. Nach intensivem Austausch wurden 2008 vom AFKzV weitere Zielsetzungen vereinbart: Erstellung einer vfdb-Richtlinie zur technischen Rettung, Notwendigkeit für Kennzeichenabfrage durch Feuerwehren zur Modellbestimmung von verunfallten Kraftfahrzeugen, Vernetzung mit EU-Staaten, da Deutschland ein Transitland darstellt. Praxisgerechte Rettungsinformationen in neuer Form sollten auf technische Informationen auf zwei DIN-A4 Seiten beschränkt und vorerst nur als pdf Datei erhältlich sein.
Neue Leitfäden für Rettungskräfte

Als Reaktion auf die Forderungen der Feuerwehren zu Planungen und Lösungsansätzen hat Volkswagen einen neuen „Leitfaden für Rettungsdienste“ herausgegeben. Die Texte werden durch schematische Darstellungen und Informationsblöcke unterstützt, alternative Antriebe beschrieben und die Gliederung der Fahrzeugmodellübersichten berücksichtigt. Mittelfristig soll es eine einheitliche Darstellung der Leitfäden aller Automobilhersteller im VDA, in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren, geben. Die Zukunftsplanung sieht Informationen über E-Call und computergestützte Leitfäden für Rettungskräfte vor.
Herausforderungen bei der technischen Rettung

Sicherheitssysteme haben oft keine direkte Kennzeichnung und sind zum Teil asymmetrisch angeordnet, Airbags können mehrstufig sein, Einbauorte von Gasgeneratoren sind nicht erkennbar und mechanische Sensoren finden Verwendung. Auch die umfangreiche Fahrzeugelektrik kann im Einsatz durch schlüssellose Zugangssysteme, unterschiedliche Batterieeinbauorte und –Abklemmpunkte zum Problem werden. Die modernen Fahrzeugkarosserien und verschiedene Werkstoffe erfordern Kenntnisse, richtige Werkzeuge und neue Taktiken bei der Befreiung von Personen. Letztlich ist noch auf die Fahrzeugantriebe zu achten, welche eine Erkundung der Antriebsart, Einhaltung von Absperrgrenzen, Erkennung von Leckagen, Detektierung des Betriebsmittels und Erkennung von Bränden erfordern. Erkennung von Bränden ganz speziell bei Antriebsarten mit Wasserstoff, da Wasserstoff ohne sichtbare Flamme verbrennt. Die sichere Deaktivierung des Antriebs bzw. Feststellung der Deaktivierung und die Kenntnisse von Gefahrenbereichen, z.B. beim Arbeiten mit Rettungsgeräten, sind weitere Herausforderungen. Dazu sind Fahrzeuginformationen, geschulte Einsatzkräfte und die richtige Geräteausstattung erforderlich. Experten fordern eine umfassende Informationsmöglichkeit am Einsatzort und stellten bereits die mobile Datenbank auf Tablet-PC von Moditech vor, die rund 40.000 Fahrzeugvarianten beinhaltet. In den Niederlanden können die Feuerwehren bereits auf ein System der Kennzeichenabfrage und genauen Fahrzeugtypangaben zurückgreifen. In der Zukunft wird es immer schwieriger werden mit herkömmlichen Rettungsgeräten einen effizienten Einsatz durchzuführen, da durch Karosserieverstärkungen und dem Einsatz von neuen Werkstoffen immer komplexere Fahrzeuge entstehen.
Lebensretter Airbag

Was tut sich bei der passiven Sicherheitskomponente Airbag? Bisher lösen Airbags immer erst bei einem Aufprall aus. Das bedeutet, dass es zum Crash kommt und je nach Schwere und Aufprallwinkel Airbags ausgelöst werden, was in Sekundenbruchteilen passiert. Somit müssen Airbags sehr schnell funktionieren. Dazu ist Energie und Kraft erforderlich, die dann noch bestimmungsgemäß auf den Insassen wirken muss. Um hier Zeit zu sparen und einen Airbag sanfter auslösen zu können, ist mehr Zeit zum Auslösen nötig. Mit der Früherkennung eines unvermeidbaren Unfalles wären diese Voraussetzungen gegeben, daran arbeiten die Entwickler. Leider gibt es trotz der positiven Entwicklung unerwünschte Nebenwirkungen, etwa dann, wenn Insassen zu dicht vor dem Airbag sitzen oder Kinder nicht wie erforderlich gesichert sind. Eine Herausforderung stellen Seitenaufprallschutz und Fußgängerschutz dar, die Optimierungsbedarf haben. Der Seitenschutz durch Thorax und Kopf Airbags ist bei Kleinwagen leider eine Kostenfrage. Ein neuartiges Kopfsystem bietet Peugeot beim Modell 308 CC. Ähnliches bietet der Toyota IQ, ein Kleinstfahrzeug, in dem ein Kopf Airbag aus der Rückenlehne im Heckbereich an der Scheibe quer zur Fahrtrichtung kommt, um bei Heckaufprall oder Rückschlag nach Frontalaufprall zu schützen. Die Knie Airbags zum Schutz des unteren Hüft- und Kniebereichs haben sich als energetisch sehr wirksam erwiesen. Ein ungelöstes Problem ist das Aufschlagen Von Fondinsassen beim Unfall von vorn, insbesondere wenn sie nicht gesichert sind. So kann der optimal durch Gurt und Airbag geschützte Fahrer vom ungegurteten Fondinsassen durch die Rückenlehne oder darüber hinweg erschlagen werden. Fast alle Hinweise zur Sicherheit vernachlässigen die Aufklärung über die richtige Nutzung der Technik. Der Abstand zum Lenkrad und damit zum Airbag ist oft viel zu gering. Der Autofahrer nutzt nicht die vielfältigen möglichen Lenkrad- und Kopfstützenverstellungen und die ergonomische Funktionalität des Sitzes. Aufklärungsarbeit zur idealen und richtigen Sitzposition, dem trotz Airbag lebenswichtigen Angurten und zur Vermeidung von „out of position“, wie z.B. Füße auf dem Armaturenbrett, Kinder auf dem Schoß, ist dringend erforderlich. In den USA konnte durch Aufklärung ein Rückgang der tödlichen Verletzungen durch den Airbag bei Erwachsenen von 70%, bei Kindern um etwa 80% und bei den Unglücksfällen durch Airbags gegen Kinder in Reboard-Sitzen um 100% erreicht werden. In einigen Medien war in der Vergangenheit von externen Airbags an Stoßfängern, der A-Säule oder im Haubenbereich als Fußgängerschutz zu hören. Die technische Entwicklung ist in diesem Bereich noch unreif. Außerdem wird es bei der Bezahlung dieser Sicherheitstechnik für andere Verkehrsteilnehmer beim Autokäufer sicher Akzeptanzprobleme geben. Dafür ist die Füßgängererkennung über Infrarotkamera und optische sowie akustische Kollisionswarnung ein buchstäblicher Lichtblick in der Weiterentwicklung der Sicherheitseinrichtungen.
Das Auto bekommt Reflexe

Die Frühwarnsysteme werden weiter ausgebaut. Moderne Fahrzeuge besitzen jede Menge Sensoren, die den Fahrzustand der Fahrzeuge erfassen. Das frühzeitige Einbeziehen dieser Daten in Vorbereitungsmaßnahmen für die Insassensicherheit wird weiter Leben retten. Kritische Fahrzustände, starke Bremsmanöver und ähnliche unnormale Vorgänge werden von Sensoren erfasst. Daraus kann die Wahrscheinlichkeit eines Aufpralls oder eines Überschlags errechnet werden. In einem ausgeklügelten System ist dies durch die Auswertung vieler solcher Sensoren mit einer zunehmenden Zuverlässigkeit möglich. Dadurch kann Zeit gewonnen werden, um den Unfall zu vermindern. Die neue Generation von Sensoren ermöglicht die sichere und vorausschauende Überwachung des Fahrzeugumfeldes, um bei kritischen Situationen den Fahrer zu warnen oder die Sicherheitstechnik adäquat vorzubereiten. Der Einsatz dieser Systeme rückt vom Premiumsegment weiter in die Mittelklasse vor. Die Herausforderung besteht in der robusten und absolut fehlerfreien Erfassung des Ist-Zustandes, was insbesondere bei unterschiedlichen Licht- und Witterungsverhältnissen schwierig ist. Die Radartechnologie und Kamerasysteme bieten in Kopplung beider Vorteile beste Voraussetzungen und sind schon in einigen Topklassefahrzeugen verfügbar. Bei zwei Dritteln aller Unfälle ist vor dem Aufprall genug Zeit für präventiven Insassenschutz.
Vorbereitung auf das Unvermeidbare

Wenn Sensoren einen Unfall voraussehen, können Fahrzeuge und Insassen auf die Unfallsituation vorbereitet werden. Insassenposition und Gurte können optimal engestellt werden. Mit der Vorbereitung der Auslösung und der Aktivierung weiterer Sicherheitssysteme wie Gurtstraffer für Schulter- und Beckengurt oder Korrektur der Sitzposition, Schließen von Scheiben und Schiebedächern werden weitere Voraussetzungen zum Aufprallschutz der Insassen erreicht. Die aktive und passive Sicherheit über Sensortechnik zu verknüpfen ist das nächste Ziel, um den Unfall möglichst zu vermeiden. Aktive Sicherheitstechniken sind dabei das bekannte ABS und ESP, nun aber auch die Müdigkeitsdetektoren mit Augen-Scanner und Lenkbewegungserkennung, die adaptiven Lichtsysteme oder dar Bremsassistent, dessen Sensoren beim Erkennen einer Unfallsituation und Bremsen des Fahrers maximale Bremsdrücke aufbauen.
Crashtests sorgen für mehr Sicherheit

Auch Vorträge von Experten aus den USA und China zeigen deutliche Tendenzen. Die Grundlagen für sicheres Fahren wurden in den letzten Jahren gelegt. Jetzt wird an der Feinarbeit und an Verbesserungen gearbeitet. Airbags sind fester Bestandteil der ganzheitlichen Fahrzeugsicherheit, bei der sich einiges getan hat. Die Frühwarnsysteme werden immer robuster, Hightech zur Erhöhung der Sicherheit von Fahrzeugen ist bezahlbar geworden und dadurch nicht mehr das Privileg des Premiumsegments. Diese Entwicklung kommt dem Trend zu kleineren und vernünftigeren Fahrzeugen gerade recht. Durch die gesamte Vernetzung der Sensoren und Sicherheitssysteme richtet sich der Fokus nicht mehr auf die Airbags, insbesondere die Crashtests sorgen für mehr Sicherheit. NCAP (New Car Assessment Program) ist der Fachbegriff für herstellerunabhängige Crashtests in der Fahrzeugindustrie. Der NCAP-Crashtest besteht aus drei Teilen: Insassenschutz, Fußgängerschutz und Schutz von Kindern. Beim Insassenschutz werden drei Aufprallszenarien nachgestellt: der Frontalzusammenstoß und der Seitenaufprall mit einem Fahrzeug gleicher Größe und Aufprall auf einen Pfahl. Beim Fußgängerschutz wird die Verletzungsgefahr für Fußgänger durch die Frontpartie des Fahrzeuges bewertet. Um den Schutz von Kindern zu erhöhen, werden Tests mit Kinder-Dummies für ein 18 Monate und ein drei Jahre altes Kind durchgeführt, in denen diese in empfohlenen Kindersitzen auf der Rückbank des Fahrzeuges platziert und beim Unfallszenario ausgewertet werden. Diese Crashtests sind bislang Standart für Europa, USA und Japan. China produziert knapp 10. Millionen Fahrzeuge pro Jahr uns ist damit auf dem dritten Platz der Herstellerländer. Sicherheitsstandards werden auch hier gefordert. In China gab es 2007 fast 82.000 Verkehrstote, das entspricht ungefähr der Zahl der Verkehrstoten in Europa und den USA zusammen. Der China-NCAP wird einen vergleichbar hohen Standard wie der europäische erreichen. Jedoch werden dort regionale Besonderheiten zu berücksichtigen sein, z.B. sitzen in China bedeutende Persönlichkeiten meist hinten und Fahrzeuge sind fast immer voll besetzt. Es gilt noch die Entwicklung in den Nachfolgeländern mit hohen Unfallzahlen wie Indien und Brasilien abzuwarten, die einen großen Schritt für die globale Sicherheit bedeuten würden. Die Forderungen aus den Crashtests und an die Technik müssen dabei sinnvoll bleiben und werden weiter einen Spagat zwischen Sicherheit, Kosten und Verbrauch darstellen. Dabei werden gerade aber diese Tests und die daraus resultierende Prämierung von Fahrzeugen mit Sternen ein entscheidendes Kriterium und Maß für Sicherheit sein, das heute schon an dritter Stelle bei der Kaufentscheidung steht. Dabei taucht immer wieder die Frage nach der Kompatibilität von großen und kleinen Fahrzeugen im Crash (Partnerschutz) auf. Der NCAP berücksichtigt zwar den Eigenschutz bei Massenungleichheit, z.B. Fiat 500 gegen Audi Q7, trotzdem setzt hier die Physik die Grenzen. Um die Kosten von realen Crashtests zu senken, helfen Computermodelle, die Realität besser abzubilden, und sparen Kosten. Damit werden auch besondere oder Extremsituationen berechenbar. In Zukunft wird der Einsatz von computerunterstützten Berechnungsmodellen verstärkt für die Entwicklung der Fahrzeugsicherheit eingesetzt werden und neben der besseren Abbildung der Realität auch zur Senkung der Entwicklungskosten von Neufahrzeugen beitragen.
Automatische Systeme erleichtern den Rettungseinsatz

Seit einigen Jahren sind insbesondere in den USA, bei deutschen und französischen Herstellern Sonderausstattungssysteme auf dem Markt, die im Falle eines Unfalls die exakte Position des verunfallten Fahrzeuges übermitteln. Bei mittleren und schweren Unfällen wird automatisch die nächste Rettungsleitstelle und ggf. die Feuerwehr alarmiert. Die Schwere des Unfalls wird hierbei wiederum durch die schnelle Auswertung von Messdaten ermittelt. Den Passagieren von mit solcher ACN-Technik (Automatic Collision Notification) ausgestatteten Fahrzeugen kann bei Unfällen schneller geholfen werden. Neu ist die Kopplung dieser Technik mit Verletztenszenarien, also die Einbeziehung von medizinischen Erfahrungen, um die Hilfe zu optimieren. So kann bei einem Unfall z.B. die Schwere der Verletzungen direkt mit dem automatischen Funkspruch zur Übermittlung der GPS-Koordinaten des Unfalles ergänzt werden. Rettungskräfte können dadurch ihren Einsatz verbessern, so die Herangehensweise der Fahrzeugindustrie. Die Rettungsmaßnahmen werden optimiert, da besser abgeschätzt werden kann, welche Verletzungen vorliegen könnten. Diese Crash-Daten können für die Alarmierung geeigneter Rettungskräfte zum genauen Unfallort und für weitere Behandlungsmaßnahmen Anhaltspunkte bieten. BMW etwa übermittelt mit seinem E-Call über GSM folgende Daten: Unfallereignis, GPS-Daten, Fahrtrichtung, Typ und Farbe des Fahrzeugs.
Bericht: Andre Miebach

Überörtliche Hilfe größeren Umfangs zur nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im Regierungsbezirk Köln

März 10, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte 1 Kommentar →

Im Jahre 2004 wurde mit der Erarbeitung einer Planung zur überörtlichen Hilfeleistung bei Großschadenslagen in betroffenen Gebietskörperschaften innerhalb des Regierungsbezirks Köln begonnen. Ziel war die Festlegung einheitlicher Gliederungen für Einheiten oberhalb einer Zuggröße. Die entwickelte taktische Einheit trägt den Namen „Abteilung Bezirk Köln“.

Erfordert ein Schadensereignis innerhalb des Regierungsbezirks Köln eine umfangreiche überörtliche Hilfe gemäß §25 Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung bei Unglücksfällen und öffentlichen Notständen des Landes Nordrhein-Westfalen (FSHG NRW), so können die „Abteilungen Bezirk Köln“ oder Teileinheiten hiervon nach einem Konzept angefordert werden.

Folgende Rahmenbedingungen waren zu berücksichtigen:

-         Konzeption für Einsätze innerhalb und außerhalb des Regierungsbezirks Köln

-         Die Bereitschaften stellen Versorgung und Logistik für die ersten 24-Stunden sicher und sind für diesen Zeitpunkt autark einsetzbar

-         Die Planung für den Einsatz der Bereitschaften ist für eine Einsatzdauer von bis zu fünf Tagen ausgelegt

Eine Abteilung setzt sich aus mehreren Bereitschaften zusammen. Eine sog. Abteilungsleitstelle alarmiert die einzelnen Bereitschaften und dient als Führungsmittel der Abteilungsführer. Eine Bereitschaft ist der Zusammenschluss von Einheiten mehrerer Gebietskörperschaften. Dem Bereitschaftsführung wiederum ist eine Bereitschaftsleitstelle vorgesetzt, welche die Leitstelle der Gebietskörperschaft aus deren Bereich die Bereitschaft zusammengestellt wird alarmiert.

Alle Bereitschaften haben sich nach der Alarmierung in den für ihre Bereitschaft vorgesehenen Bereitstellungsraum zu begeben, an dem Einsatzkräfte und Einsatzmittel für den unmittelbaren Einsatz oder vorsorglich gesammelt werden um im Verband zum eigentlichen Einsatzbereich auszurücken. Jede Bereitschaft richtet hierbei einen Führungsunterstützungsstab ein, welcher vor dem Abmarsch der Kräfte und während des Einsatzes für alle Belange der jeweiligen Bereitschaft zuständig ist.

Weiterführend wird ein sog. Vorauskommando Abteilung eingerichtet. Das Vorauskommando der Abteilung erkundet die Einsatzörtlichkeit einschließlich der Bereitstellungsräume vor Eintreffen der jeweiligen Abteilung in Kooperation mit der örtlichen Einsatzleitung. Es erstellt die Gesamtplanung für den Abteilungseinsatz. Neben dem Vorkommando Abteilung wird parallel ein Vorkommando Bereitschaft errichtet, welches den Einsatzauftrag des Vorkommandos Abteilung oder bei gesondertem Einsatz einer Bereitschaft unmittelbar von der örtlichen Einsatzleitung erhält. Es ist für die taktische Einsatzvorbereitung einer Bereitschaft zuständig.

Die „Abteilung Bezirk Köln“ gliedert sich in fünf Bereitschaften. Jede Bereitschaft besteht aus jeweils vier Löschzügen, einem Logistikzug und je nach Schadensereignis den Zusatzmodulen Waldbrand, Technische Hilfeleistung, Hochwasser oder ABC und Instandsetzung.

Die Bereitschaften der „Abteilung Bezirk Köln“ werden aus folgenden Gebietskörperschaften zusammengestellt:

-         Bereitschaft I.: Kreis Aachen, Stadt Aachen, Kreis Heinsberg

-         Bereitschaft II.:            Kreis Düren, Kreis Euskirchen

-         Bereitschaft III.:           Stadt Köln, Rhein-Erft-Kreis

-         Bereitschaft IV.:           Stadt Bonn, Rhein-Sieg-Kreis

-    Bereitschaft V.:            Stadt Leverkusen, Oberbergischer Kreis, Rhein.-Berg.-Kreis

Aufgaben im Detail:

Aufgaben der Bereitschaftsführung:

-         Marschführung

-         Einordnung in die Abteilungsführung während des Einsatzes

-         Führung des zugewiesenen Bereitstellungsraumes und evtl. Unterkunftsraumes

-         Taktisch-operative Führung der Bereitschaft.

Führungsunterstützung Bereitschaftsführung (FÜ-BR):

Aufgebaut wird die Führungsunterstützung nach der Stabsstruktur gemäß FwDV 100 und wird je nach Schadensereignis mit Verbindungspersonen ergänzt.

Aufgaben insbesondere:

-         Führung des Sammelraumes

-         Kommunikation mit der Führungsunterstützung der Abteilungsführung

-         Kommunikation mit der Bereitschaftsleitstelle

-         Planung von Personal- und Mittelreserven

-         Planung der zu alarmierenden Löschzüge und Module

-         Planung der Einsatzkommunikation der Bereitschaft

-         Vorbereitung Mot-Marsch mit Marschbefehl

-         Organisation der Logistik

Stationiert wird die FÜ-BR mit planmäßigem Führungspersonal der beteiligten Gebietskörperschaften und mit dem Bedarf gerecht werdenden Einsatzmitteln im Sammelraum der Bereitschaft.

Aufgaben des Vorkommandos Bereitschaft:

Das Vorkommando Bereitschaft besteht aus einer Stabsfunktion für die Bereitschaftsführung vor Ort, einer Stabsfunktion für die Abteilungsführer vor Ort sowie einem Führungsassistenten.

Aufgaben insbesondere:

-         Kommunikation mit der Abteilungsführung

-         Auftragsübergabe

-         Taktische Vorbereitung Bereitstellungsraum und Einsatzauftrag

Leitstellenstruktur und Meldeverfahren:

Als Alarmierungsleitstelle gegenüber den Bereitschaftsleitstellen und als Führungsmittel der Abteilungsführung dient die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Leverkusen, Redundanz: Berufsfeuerwehr Aachen.

Anforderung:

Die „Abteilung Bezirk Köln“ oder Teile hiervon können durch das Innenministerium Nordrhein-Westfalen oder von den Kreisen und kreisfreien Städten des Regierungsbezirks bei der Bezirksregierung angefordert werden. Anforderungen anderer Bundesländer im Rahmen der Länderübergreifenden Hilfeleistung, oder anderer Kommunen im Rahmen der Bezirksübergreifenden Hilfeleistung sind nur über das Innenministerium möglich. Das Innenministerium kann die Anforderung im Auftrag eines anderen Bundeslandes oder einer „fremd“ Kommune vornehmen oder deren Einsatz selbst anordnen. In Hinsicht auf die Kostenübernahme gelten grundsätzlich die Bestimmungen der Amtshilfe unter Beachtung des §25 FSHG NRW (Überörtliche Hilfe). Bei Einsätzen die durch das Innenministerium angeordnet werden, trägt das Land die Kosten für z.B. Verdienstausfall und die Betriebs- und Verpflegungskosten.

Einsatzvarianten:

Unterteilt werden die Einsatzvarianten in zwei Bereiche. Zum einen den Einsatz innerhalb von vier Stunden an der Einsatzstelle und zum anderen den Einsatz innerhalb von 24 Stunden abmarschbereit ab Sammelraum.

Innerhalb von vier Stunden an der Einsatzstelle:

Diese Variante setzt ein Zeitfenster von zwei Stunden bis zum Abmarsch und von bis zu zwei Stunden bis zum Eintreffen im Bereitstellungsraum voraus. Die Führungsunterstützung Abteilung bestimmt entsprechend der Anforderung die dazu benötigten Bereitschaften.

Folgende Maßnahmen kennzeichnen diese Variante:

-         Unverzügliche Alarmierung der Führungsunterstützung Bereitschaft

-         Vollalarm oder spezifische Alarmierung in den beteiligten Bereitschaftsstandorten

-         Einrichtung und Inbetriebnahme des jeweiligen Sammelraums

-         Mot-Marsch der Bereitschaft zum Bereitstellungsraum am Schadensort

-         Planmäßiges Nachführen der Personalreserve und Logistik

Innerhalb von 24 Stunden abmarschbereit ab Sammelraum:

Diese Variante ermöglicht einen mehrtätigen Einsatz mit Unterbringung im Schadensgebiet. Auch hier bestimmt die Führungsunterstützung Abteilung die dazu benötigten Bereitschaften. Die Maßnahmen unterscheiden sich nur geringfügig von denen der ersten Variante. Zusätzlich kennzeichnen folgende Maßnahmen diese Variante:

-         Umfangreiche Einsatzvorbereitung durch die Führungsunterstützung Bereitschaft

-         Mitführung der Logistik für eine 24-stündige autarke Versorgung ab Abmarsch

-         Einsatz eines Vorauskommandos

Während des Marsches erhalten alle beteiligten Fahrzeuge und Einheiten angepasste Bezeichnungen und Funkrufnamen mit welchen sie sich in der Zeit des Einsatzes im Bereich des 4-m Funks bewegen.

Bericht: Andre Miebach

Martin Meyer-Pyritz im Interview – Durchgeführt für Sonderlage.de

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Martin Meyer-Pyritz, ein Name der in Fachkreisen wohl bekannt sein dürfte. Martin Meyer-Pyritz ist 59 Jahre alt und Dienstgruppenleiter auf der Düsseldorfer Feuerwache 7 im Stadtteil Wersten. Nebenberuflich ist er Schriftsteller, und Autor seiner einzigartigen Feuerwehrromane. Wir hatten die Möglichkeit Ihm ein paar Fragen zu Stellen.

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Sonderlage: Wie lange schreiben Sie bereits Bücher, und was war der Auslöser dafür?

Martin Meyer-Pyritz: Bücher an sich schreibe ich bereits seit knapp 30 Jahren, meine ersten Bücher waren Kinderbücher. Mein erster Feuerwehrroman „ Der Feuerwehrmann“ kam 1998 auf den Markt. Der Auslöser speziell Bücher über die Feuerwehr zu Schreiben kam durch meine Kollegen, welche sagten: „ Schreib doch mal was über uns“.

Sonderlage: Wie haben Sie die in Ihren Büchern beschriebenen Einsätze ausgewählt?

Martin Meyer-Pyritz: Eine direkte Auswahl hat so nicht Stattgefunden, ich wollte das gesamte Spektrum der Feuerwehrarbeit einschließen um auch der Zivilbevölkerung die Arbeit einer Feuerwehr nah zu bringen und somit auch versuchen das Vorurteil „Da wird doch nur getrunken“ ein Stück weit aus der Welt zu schaffen. Des Weiteren habe ich, bis auf eine Ausnahme, nur Einsätze genommen an denen ich auch wirklich selbst beteiligt war.

Sonderlage: Wie fühlt man sich als Autor welcher besonders in Fachkreisen hohe Anerkennung genießt?

Martin Meyer-Pyritz: Ein besonderes Gefühl habe ich nicht, man freut sich natürlich so etwas zu hören, allerdings erfahre ich solche Aussagen immer nur über Dritte.

Sonderlage: Sie haben bis dato sechs Romane veröffentlicht, ein weiterer soll noch im Herbst diesen Jahres auf den Markt kommen, können Sie schon ungefähr abschätzen auf wie viele weitere sich die Fachwelt noch freuen darf?

Martin Meyer-Pyritz: Mein Ziel ist es jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen, da ich allerdings 2010 in den Ruhestand gehe wird sich folglich die Art der Bücher ein wenig verändern da ich ab dann nicht mehr im Einsatzdienst stehe. Aber „da kommt noch einiges“.

Sonderlage: Kann man unterm Strich sagen, wie lange Sie an einem Buch der Größenordnung „Feuerwache 7“ schreiben?

Martin Meyer-Pyritz: Ja, an meinem ersten Buch „ Der Feuerwehrmann“ habe ich ungefähr drei Jahre geschrieben bis es veröffentlicht wurde, mittlerweile benötige ich ungefähr eineinhalb Jahre bis zur Fertigstellung.

Sonderlage: War es schwer, einen Verlag davon zu überzeugen einen Feuerwehrroman zu Verlegen?

Martin Meyer-Pyritz: Allerdings, man hatte als unbekannter Autor keine Möglichkeit in einem Verlag unterzukommen. Erst als ich den Vorschlag unterbreitete pro Verkauftes Buch fünf DM an UNICEF zu spenden wurde ich durch eine Pressekonferenz der Stadt Düsseldorf 1998 auf der viel Presse und auch Fachpresse vertreten war etwas bekannter. Ein bekannter sagte mir dann ich solle doch einfach mal beim Droste Verlag anrufen und nachfragen da dieser hauptsächlich Bücher aus der näheren Umgebung Verlegt und wie man sieht hat es funktioniert.

Sonderlage: Können Sie ungefähr abschätzen wie viele Bücher Sie in all den Jahren Verkauft haben?

Martin Meyer-Pyritz: Mein erstes Buch „ Der Feuerwehrmann“ wurde im Eigenverlag ca. 5.000-mal Verkauft, und insgesamt schätze ich liegt die Verkaufszahl zwischen 40.000 und 50.000 Exemplaren.

Sonderlage: Wie steht die Berufsfeuerwehr Düsseldorf zu Ihren Büchern?

Martin Meyer-Pyritz: Von Seiten der Berufsfeuerwehr erfahre ich durchweg positive Zusprüche, auch die Branddirektion äußert sich nur positiv zu den Büchern, vor allem weil sich der Realismus in den Büchern widerspiegelt.

Sonderlage: Gab es ein anfängliches Ziel was mit einem Teil des Erlöses aus dem verkauf der Bücher passieren sollte?

Martin Meyer-Pyritz: Ja, ich hatte mir damals vorgenommen dass ich von dem Erlös eines Tages mal ein eigenes SOS Kinderdorf errichten kann. Das hat leider bis dato noch nicht funktioniert. „ Da bin ich zu blauäugig drangegangen“.

Vielen Dank.

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Copyright © Text und Bilder: Andre Miebach

Problemfall Alkohol: Teil 1 – 40-prozentiges Gleichgewicht

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte 1 Kommentar →

Notfalleinsätze aufgrund alkoholisierter Patienten gehören zum täglichen Brot des Rettungsdienstes. Doch statt Betrunkene als lästiges Übel abzutun, benötigen sie besondere Aufmerksamkeit. Hypoglykämie, Unterkühlung und Aspiration, droht den Patienten.

Mitte der 80-er Jahre sang Herbert Grönemeyer: „Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst“. Seine Hymne gegen unbedachten Alkoholgenuss wandte sich vor allem an die zehn bis zwölf Prozent der deutschen Bevölkerung, die Alkohol in riskanten Mengen konsumieren.

Laut Bundesgesundheitsministerium liegt bei über vier Millionen Deutschen ein regelmäßiger Alkoholmissbrauch bzw. eine akute Alkoholabhängigkeit vor. Bei diesen Zahlen ist es kein Wunder, dass fast jeder im Rettungsdienst Tätige mehr oder weniger regelmäßig mit alkoholisierten Patienten konfrontiert wird. Rettungsassistenten und Notärzte neigen jedoch dazu, mit Alkohol assoziierte Notfälle zu bagatellisieren und die betroffenen Patienten leichtfertig als „lästige“ Unterbrechung ihrer Arbeit abzutun.

Häufig ist die akute Alkoholwirkung bis hin zur Alkoholvergiftung das vordringliche Problem des Patienten und damit tatsächlich kein großes notfallmedizinisches Problem. Die viel größere Herausforderung stellt dann der Umgang mit dem Patienten dar, der meist nicht kooperativ und einsichtig ist. Das beginnt bei der verweigerten Untersuchung, geht über den abgelehnten Transport und endet möglicherweise sogar in einer aggressiven und für das Rettungsdienstpersonal gefährlichen Situation. Dieses Verhalten bringt Rettungsassistenten und Notärzte in eine schwierige rechtliche Situation.

Alkohol wirkt auf das Nervensystem akut toxisch. Bei länger dauerndem Missbrauch treten neben teilweise irreversiblen Störungen am zentralen und peripheren Nervensystem Schäden an Leber, Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse, Herz, Gefäßen, Muskulatur und Hormonsystem auf. Außerdem kann es zu Veränderungen des Blutbildes kommen. Alkohol ist eine Droge, nach der sich, bei längerem Missbrauch, eine psychische und physische Abhängigkeit entwickelt.

Für die Tätigkeit im Rettungsdienst relevant ist die akute Alkoholeinwirkung und, indirekt, der chronische Alkoholkonsum mit seinen Folgeerkrankungen für den Süchtigen. Bei nicht wenigen Patienten ist der Notfall im Rahmen einer Alkoholisierung eingetreten bzw. die Alkoholisierung selbst stellt das Notfallgeschehen dar.

Die Symptomatik einer Alkoholisierung hängt deutlich von der Plasmakonzentration ab, welche in Promille angegeben wird. Die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten oder Drogen sowie das Vorliegen von Erkrankungen des Nervensystems oder der Leber können in vielerlei Hinsicht das Bild der Alkoholisierung deutlich beeinflussen. Je nach gemessenem Blutalkoholspiegel können vier Stadien unterschieden werden. Bereits ab 0,2 Promille können Reaktionsverlängerungen, Einengungen des Blickfeldes und verzögerte Wahrnehmung bewegter Gegenstände beobachtet werden. Die tödliche Plasmakonzentration wird im Allgemeinen bei einem Blutalkoholgehalt von fünf Promille erreicht. Aber auch höhere Alkoholkonzentrationen können überlebt werden.

Durch akute Alkoholvergiftungen können verschiedene Psychosen eintreten:

Alkoholdelir (Delirium tremens): Bei plötzlichem Absetzen des Alkohols, zum Beispiel nach einem Unfall in der Klinik, kann es nach ein bis drei Tagen zu einer dramatischen Fehlschaltung im Gehirn kommen. Das Delirium tremens ist somit eine besonders schwere Form von Entzugserscheinungen. Merkmale sind: Halluzinationen, Unruhe, Orientierungslosigkeit, nestelnde Bewegungen, drohender Kreislaufkollaps. Etwa 20 Prozent der Delirien verlaufen tödlich. Das Delir wird auch als Einbruch von Traumphasen in den Wachzustand interpretiert. Es dauert gewöhnlich zwei bis fünf Tage und klingt spontan ab.

Manche Patienten sind vor dem eigentlichen Delir schreckhaft, verspüren Angst und zittern. Dieses Phänomen wird Prädelir genannt. Ein Delir kann in ein Korsakow-Syndrom, eine alkoholische Demenz oder Enzephalopathie Wernicke übergehen. Das Delirium tremens kann nur auf einer Intensivstation behandelt werden. Es lässt sich dort mit Distraneurindämpfen behandeln (wirkt blutdrucksenkend). Nach Bedarf muss zusätzlich sediert werden, zum Beispiel mit Diazepam. Allerdings kann sich bei häufig auf Entzug behandelten Patienten eine Distraneurin-Abhängigkeit entwickeln. In solchen Fällen wird das weniger wirksame Butyrophenon (Haloperidol, Haldol) verwendet.

Krampfanfälle: Die Anfälle gleichen denen der Epilepsie. Sie treten bei 20 bis 30 Prozent der Abhängigen häufig bei plötzlichem Entzug auf, allein oder als Begleiterscheinung des Delirs. Es gibt auch „nasse Krämpfe“ während der Trinkphasen. Ist einmal ein Krampfanfall aufgetreten, bleibt die Neigung dazu chronisch. Bei jedem Anfall kommt es zu einem Massensterben der Gehirnzellen. Vorbeugend werden Krampfanfälle bei den dazu neigenden Patienten, falls bekannt, mit Tegretal behandelt.

Korsakow-Syndrom: Damit wird die schwerste Form der Gehirnschädigung durch Alkohol bezeichnet. Benannt wurde sie nach dem russischen Psychiater Sergej Korsakow, der diesen Zustand erstmals 1854 beschrieb. Durch das Absterben bestimmter Gehirnregionen erleidet der Betroffene einen weit gehenden Gedächtnis- und Orientierungsverlust. Das heißt, für ihn gibt es im Extremfall überhaupt kein „gestern“ und „morgen“ mehr. Er weiß nicht mehr wer oder wo er ist, und kann manchmal auch engste Bezugspersonen nicht wieder erkennen. Dieser Zustand ist in der Regel durch Abstinenz kaum noch heilbar. Die meisten Korsakow-Patienten werden für immer auf einer geschlossenen Psychiatriestation untergebracht. Falls ein Alkoholiker nicht rechtzeitig aufhört zu trinken oder vorher stirbt, ist das Korsakow-Syndrom der zwangsläufige Endzustand.

Halluzinosen sind seltenere Psychosen, die vorwiegend durch akustische Wahnvorstellungen das Krankheitsbild bestimmen. Das Bewusstsein ist klar. Der ängstlich- gequälte Alkoholiker hört meist Stimmen mehrerer nicht anwesender Personen, die in seiner Einbildung über ihn diskutieren und schimpfen. Manche versuchen den Stimmen zu entfliehen und verbarrikadieren sich wie Belagerte in ihrem Zimmer. Die Alkoholhalluzinose tritt meist im mittleren Lebensalter auf, oft nach einer Periode von Trinkexzessen. Wird der Alkohol abgesetzt, klingt die Halluzinose in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage ab. Trinken die Kranken wieder, kommt es leicht zu einer Wiederholung. Bei einem Fünftel der Fälle wird die Alkoholhalluzinose chronisch. In seltenen Fällen ist der Endzustand eine Demenz.

Eifersuchtsvorstellungen sind bei Alkoholikern häufig. Bei einem kleinen Teil verdichten sie sich zu einem Eifersuchtswahn. Faktoren der Wahnentwicklung sind die begreifliche Abkehr des Partners wegen des Trinkens, das gestörte Verhältnis zur Umwelt und die oft alkoholbedingte Impotenz bei vorübergehend gesteigerten sexuellen Wünschen. Die Schuld am eigenen Versagen wird abgewehrt und auf den Partner übertragen. Die Verdächtigungen nehmen oft groteske Formen an. Der Eifersuchtswahn kann chronisch werden und auch bei späterer Abstinenz fortbestehen.

Wernicke-Enzephalopatie: Sie ist eine schwere alkoholbedingte Psychose. Das Krankheitsbild kann akut oder subakut nach einem Delir auftreten. Kennzeichen sind: Somnolenz, Augenmuskellähmung und Störung im Ablauf der Muskelbewegungen. Gelegentlich finden sich Pupillenträgheit und Krampfanfälle. Die Übergänge zum Korsakow-Syndrom sind fließend, die Prognose ist schlecht. Wenn der Patient überlebt, bleibt meist ein Korsakow-Syndrom zurück.

Bei der Versorgung einer akuten Alkoholisierung sind einige Begleitsymptome sehr charakteristisch. Übelkeit und Erbrechen zum Beispiel treten schon sehr früh auf. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Einerseits irritieren alkoholische Getränke direkt die Magen-Darm-Schleimhaut und steigern die Säureproduktion des Magens. Andererseits sind Übelkeit und Erbrechen die Folgen des alkoholbedingten Schwindels sowie der Wirkung von Alkoholabbauprodukten. Vorsicht: Bei deutlich reduzierter Bewusstseinslage kann das Erbrochene zu einer Aspiration führen.

Nicht selten findet sich bei Alkoholisierten eine erniedrigte Körpertemperatur. Besonders dann, wenn die Umgebungstemperatur niedrig ist, kann es leicht zu einer Unterkühlung bzw. zu einer Erfrierung kommen. Zum einem dämpft der Alkohol das Temperaturzentrum im Zwischenhirn, zum anderen bewirkt die Weitstellung peripherer Blutgefäße eine vermehrte Wärmeabgabe.

Alkohol führt auch zu einer Hypoglykämie. Sie ist Folge einer verminderten Glukoseproduktion in der Leber bei gleichzeitiger Erschöpfung von Zuckerreserven und Mangelernährung. Die Unterzuckerung kann die schädigende Wirkung des Alkohols auf das Gehirn verstärken, da das Gehirn von Glukose als Energielieferant abhängig ist.

Die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren wird gefördert, weswegen es bei der Alkoholintoxikation auch zu einer Hypovolämie bzw. Dehydration kommen kann. Ein vermehrter Verlust an Kalzium und Magnesium, bei Erbrechen auch an Kalium und Chlorid, kann außerdem zu einer empfindlichen Störung des Elektrolythaushaltes führen. Länger andauerndes Erbrechen zieht darüber hinaus eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes (metabolische Alkalose) nach sich.

Insgesamt betrachtet ist die Pathophysiologie und Symptomatik der Alkoholvergiftungen komplex. Deshalb zielen die primären Maßnahmen des Rettungsdienstes darauf, Komplikationen wie Aspiration oder Unterkühlung zu vermeiden. Zu beginn der Maßnahmen ist wie üblich die Kontrolle der Bewusstseins- und Vitalparameter durchzuführen. Erwacht der komatös erscheinende Patient auf Ansprache und Berührung, ist meistens keine weitere spezifische Behandlung notwendig. Dennoch kann der Alkoholisierte von einer Minute zur anderen erbrechen. Auch diese Patienten sollte das Fachpersonal zur Überwachung einer Klinik und möglichst nicht der Ausnüchterungszelle der Polizei übergeben.

Bei einer vorliegenden Ateminsuffizienz ist eine assistierte oder kontrollierte Beutel-Masken-Beatmung nötig. Sind die Schutzreflexe durch eine Bewusstseinsstörung reduziert, muss der Betroffene zur Aspirationsprophylaxe in die stabile Seitenlage gebracht werden. Fehlen die Schutzreflexe komplett und wird eine Atemdepression festgestellt, ist über eine Intubation nachzudenken.

Fortlaufend sollten die Basismaßnahmen wie Blutdruckmessung, Pulsoxymetrie und EKG-Ableitung durchgeführt werden. Jeder Alkoholisierte sollte mit einem Venösen Zugang versorgt werden. Um eine mögliche Hypoglykämie nicht zu übersehen, ist eine Blutzuckermessung notwendig, gegebenenfalls muss Glukose infundiert werden.

Zur Vermeidung einer Hypothermie ist der Patient durch Decken warm zu halten. Auch bei erhöhten Umgebungstemperaturen ist an diese Maßnahme zu denken. Vorgewärmte Infusionslösungen und warmer Sauerstoff zur Inhalation können auch helfen, die Körpertemperatur nicht weiter absinken zu lassen.

Unter Alkoholeinfluss kann die Beurteilung der eigenen körperlichen und psychischen Verfassung gestört sein. Aus diesem Grund zeigen sich alkoholisierte Patienten häufig wenig kooperativ, wenn es darum geht, eine Zustimmung zu Versorgung und Transport zu erhalten. Sogar dann, wenn außer der Alkoholisierung andere Verletzungen oder Erkrankungen einen Klinikaufenthalt bzw. eine eingehende ambulante Abklärung nötig erscheinen lassen, wird Hilfe oft abgelehnt.

Problemfall Alkohol: Teil 2 – Die fünf Grundformen des Alkoholismus

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Grundform 1: Alpha-Alkoholiker


Alkoholiker dieser Gruppe leiden an seelischen und nervösen Störungen. Ihre Ängste und Hemmungen, auch ihre körperlichen Leiden und das Gefühl, manchen Lebensanforderungen nicht gewachsen zu sein, betäuben sie mit Alkohol. Mit seiner Hilfe finden sie Entspannung und Erleichterung. Sie sind (noch) nicht süchtig, aber sie können durch ihr Verhalten ihre Familie und den Arbeitsplatz gefährden. Es treten keine Entzugserscheinungen auf. Sie werden auch als Konflikt- oder Problemtrinker bezeichnet.

Grundform 2: Beta-Alkoholiker


Gelten als Gelegenheits- oder Verführungstrinker ohne seelische Probleme. Weil sie nach und nach ihren Alkoholkonsum steigern und ihre Ernährung vernachlässigen, werden sie zu Alkoholikern. Bei ihnen treten vorwiegend körperliche Schäden auf, zum Beispiel eine Magenschleimhautentzündung oder die Polyneuritis (Nervenentzündung an Armen und Beinen). Dazu kommen noch Fettleber und später eine Leberzirrhose. Sie passen sich ihrer trinkfreundlichen Umgebung an und wissen nicht, wie schädlich das ist. Andererseits trinken sie, weil sie auf ihre gesellschaftlichen Genüsse und ihre gehobenen Gemütszustände nicht verzichten wollen. Da sie meist sehr viel vertragen und sich selten in einen Vollrausch versetzen, ist es schwer, ihnen näher zu bringen, dass ihre gesundheitlichen, familiären, wirtschaftlichen und zum Teil sozialen Schwierigkeiten von ihrem Alkoholkonsum herrühren. Sie sind (noch) nicht süchtig, und es treten keine Entzugserscheinungen auf. Sie sind (noch) nicht alkoholkrank und haben noch keinen Kontrollverlust erlitten. Es kann zum Gamma- oder Delta-Alkoholismus führen. Der Kontrollverlust tritt nach dem Konsum kleinster Alkoholmengen ein. Es treibt sie ein starkes Verlangen zu weiterem Trinken von Alkohol, bis sie berauscht sind oder bis die innere bzw. äußere Umstände zwingen, mit dem Trinken aufzuhören. Kontrollverlust bedeutet also nicht, dass jeder Alkoholgenuss bei den Betroffenen zwangsläufig mit einem Rausch endet, sondern zeigt an, dass die Fähigkeit verloren gegangen ist, zu jeder Zeit, an jedem Ort und in jeder Situation mit dem Trinken aufhören zu können.

Grundform 3: Gamma-Alkoholiker


Sind süchtige Alkoholiker, die durch ihr immer häufigeres Erleichterungstrinken süchtig geworden sind. Nach dem Trinken von Alkohol tritt ein sehr starkes Verlangen nach mehr Alkohol auf. Da sie jetzt immer mehr und häufiger trinken, kommt zu ihrer seelischen Abhängigkeit auch noch eine körperliche hinzu. Es treten eindeutige Verhaltensänderungen auf. Es kommt nach einem plötzlichen Absetzen von Alkohol zu Entzugserscheinungen, darunter sind Unruhe, Zittern, Schwitzen und Angstzustände zu verstehen. Auch bei ihnen kommt es zum Kontrollverlust. Gamma-Alkoholiker können nach Zeiten, in denen sie täglich und maßlos getrunken haben, Zeiten der völligen Alkoholenthaltsamkeit unter bestimmten Umständen durchstehen. Es hat sich herausgestellt, dass sie danach sehr bald wieder unmäßig zu trinken beginnen. Eine Heilung im Sinne einer Rückbildung ist nicht möglich. Der Gamma-Alkoholismus ist die verbreitetste Form in Deutschland.

Grundform 4: Delta-Alkoholiker


Sind Menschen die ohne Alkohol nicht mehr Leben können. Der betroffene muss immer einen entsprechend hohen Alkoholspiegel haben, sonst treten bei ihm sofort Entzugserscheinungen auf. Im Gegensatz zum Gamma-Alkoholiker verlieren sie nicht die Kontrolle darüber, wann und wie viel sie zu einem bestimmten Zeitpunkt trinken wollen. Sie können sich in der Regel über Jahre hinweg den gegebenen Umständen anpassen, ohne grob auffällig zu werden. Jedoch ist es ihnen nicht möglich, wegen ihrer schweren Entzugserscheinungen ohne fachgerechte Hilfe den Alkohol total abzusetzen. Neben den körperlichen Schäden treten als Folge der Vergiftung des zentralen Nervensystems und Abbauerscheinungen der Gesamtpersönlichkeit auf. Es kommt zum Versagen im zwischenmenschlichen und sozialen Bereich. Delta-Alkoholiker werden sehr spät auffällig, kommen darum auch sehr spät, wenn überhaupt, zur Einsicht. Um Heilungsprozesse einzuleiten, ist eine totale Alkohol-Enthaltsamkeit unumgänglich. Der Alkoholentzug sollte wegen der akuten Gefahr von körperlichen Zusammenbrüchen, besonders wegen des Delirium tremens, unter ärztliche Aufsicht gestellt werden.

Grundform 5: Epsilon-Alkoholiker


Sind Personen, die periodisch von inneren Krisen befallen werden. Durch die wiederholte Flucht in den Alkohol werden auch sie abhängig. Das Verlangen, sich zu berauschen, tritt bei ihnen mit ungewöhnlicher Heftigkeit auf. Sodass sie im Notfall auch zu den billigsten Alkoholsorten, beispielsweise Rasierwasser, greifen. Sie trinken meistens mehrere Tage und sind danach wieder in der Lage, sich zu mäßigen oder ganz aufzuhören. Epsilon-Alkoholiker brauchen nur Aufklärung darüber, dass der Alkohol die falsche Medizin für ihre inneren Unruhen ist.

Freisetzung von radioaktiven Stoffen – Sind Einsatzkräfte geschützt?

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Reportagen/Berichte Noch keine Kommentare →

Freisetzungen von radioaktiven Stoffen stellen Einsatzkräfte immer vor besondere Herausforderungen. Am 26.04.1986 kam es in Tschernobyl zu dem bisher schwersten Reaktorunfall, an dessen Folgen die Bevölkerung in weiten gebieten der Ukraine heute noch leidet.

1987 wurde durch den Diebstahl einer Bestrahlungsquelle aus einer stillgelegten Klinik in Goiania/Brasilien und ihrer Öffnung das gesamte Stadtgebiet von Goiania kontaminiert, Das Ergebnis: 4 Todesopfer und mehr als 100.000 untersuchte Personen. Radioaktive Schadenslagen gleich welcher Ursache sind in jedem Fall eine Herausforderung für Rettungsdienste, Krankenhäuser und den öffentlichen Gesundheitsdienst.

Das 18. Forum „Zivil-militärische Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“, das von 27.10. bis zum 29.10.2009 an der zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gehörenden Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr-Ahrweiler stattfand, befasste sich mit diesem Thema.

Teilnehmer aus Katastrophenschutzbehörden, Feuerwehren, Hilfsorganisationen, der Bundeswehr, aus Krankenhäusern und weiteren Institutionen verschafften sich einen Überblick über die derzeitigen Erkenntnisse und mögliche Lösungsansätze. In das Forum eingebettet sind Arbeitsgruppen, die die Aufgaben der Krankenhäuser bei entsprechenden Schadenslagen thematisierten und die Rolle der örtlichen Gesundheitsämter ansprachen.

Freisetzung von chemischen, biologischen oder radioaktiven Stoffen können vielfältige Ursachen haben. Die Feuerwehren verfügen über entsprechende Alarm- und Einsatzpläne, das Personal ist gut ausgebildet. Wichtig bei allem Sachverstand ist, dass die Rettungskräfte angemessen geschützt und ausgerüstet sind, um die Bevölkerung im Notfall retten und behandeln zu können.

Schutzausrüstung, Fahrzeuge, Messtechnik, Rettungsmöglichkeiten und Dekontaminationsanlagen, die für die Bewältigung entsprechender Einsatze zur Verfügung stehen, zeigte das BBK in einer das Forum begleitenden Ausstellung.