BlaulichtNewsBlog

Aktuelles – Reportagen – Neuigkeiten
Subscribe

Artikel der Kategorie ‘Rückblicke’

Rückblick: Herborn 1987 – Tankzugunglück in der Innenstadt

März 04, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

Am 07.07.1987 gegen 20.43 fuhr ein aus Richtung Mantabaur kommender Tanklastzug, beladen mit 18.014 Liter Superbenzin, 10.019 Liter Normalbenzin und 6.032 Liter Dieselkraftstoff, vermutlich auf Grund versagender Bremsen mit zu hoher Geschwindigkeit und starker Schräglage in den Kreuzungsbereich Hauptstraße/Westerwaldstraße von Herborn ein. In Höhe eines Eiscafes kippte der Sattelzug um und rutschte noch etwa 20 Meter die Straße entlang, bis er unmittelbar vor einem Gebäude liegen blieb. Durch den Sturz auf ein den Bürgersteig von der Straße trennendes Eisengeländer platzte der Tankbehälter auf und die gesamte Ladung ergoss sich über die Straße in das benachbarte Eiscafe, in die Kanalisation sowie in die Straßeneinläufe für Oberflächenwasser. Der Treibstoff entzündet sich, mehreren Menschen in den umliegenden Gebäuden wird der Fluchtweg abgeschnitten. Auch noch in einer Entfernung von 700 Metern werden durch die Verpuffung im Abwassernetz Kanaldeckel in die Luft geschleudert.

Alarmierung und Ersteinsatz

Gegen 20.46 Uhr löst die Leitstelle in Dillenburg den ersten Alarm für die Feuerwehr Herborn aus. Als erstes Fahrzeug erreicht ein TLF 24/50 um 20.50 die Einsatzstelle und gibt eine erste Rückmeldung ab: „Tanklastzug liegt umgestürzt vor einer Eisdiele, Explosionen, Brennt Eisdiele und Destille, geben sie Großalarm“. Daraufhin wird Alarm für die Stützpunktfeuerwehr Dillenburg (ca. 8,5 km von Herborn entfernt) und für die freiwillige Feuerwehr des Stadtteils Burg ausgelöst. Mit und mit treffen weitere Fahrzeuge der Herborner Feuerwehr an der Schadensstelle ein. Kräfte des DRK mit RTW, NAW und KTW sowie zwei private Rettungsdienste mit RTW und KTW begeben sich ebenfalls in das Einsatzgebiet. Die Besatzung des TLF 24/50 kann in der Erstphase des Einsatzes, unterstützt durch weitere Kräfte, auf der Straße liegende Verletzte und aus dem 1. Obergeschoss eines brennenden Gebäudes sechs weitere Menschen retten. Über eine Steckleiter wird eine 87-jährige Frau aus einem anderen Brandobjekt auf das Dach des angrenzenden Kaufhauses gebracht. Mehrere Häuser brennen, B-, C-Rohre und der Monitor des TLF 24/50 sind zur unmittelbaren Brandbekämpfung bzw. zum Schutz von noch nicht betroffenen im Einsatz. Erste Verstärkung bringen die Kräfte aus Dillenburg, die ebenfalls mehrere Rohre vornehmen. Anfänglich wird auch versucht, den brennenden Sattelzug mit Schaum abzudecken. Dies schlägt jedoch fehl, da wegen der großen Wärmeentwicklung und durch die Vertrümmerung der Straße keine geschlossene Schaumdecke ausgebracht werden kann. Die um 21.10 Uhr alarmierten Stadtteilfeuerwehren Herborns bauen an verschiedenen Objekten Löschangriffe auf. Der brennend durch das Abwassernetz fließende Treibstoff verteilt sich auf dem Fluss Dill in einer Ausdehnung von etwa 370 Metern. Durch die Flammen wurden der Uferbewuchs und zwei Pkw in Brand gesetzt. Bedingt durch die Strömung des Flusses wurde der Treibstoff aber nicht über die gesamte Wasseroberfläche verteilt, so dass für angrenzende Gebäude eine geringere Gefahr bestand als Augenscheinlich sichtbar. Verletzte Personen wurden in einem regelrechten Pendelverkehr in ein etwa 350 Meter entfernt liegendes Krankenhaus verbracht, wo über die weitere Verlegung der Patienten entschieden wurde. Schwerstverletzte wurden mit Hubschraubern in Spezialkliniken geflogen.

Einsatzphase 2 zwischen 21.27 Uhr und 24.00 Uhr

Wegen der Größe des Schadensausmaßes löst der Landrat des Lahn-Dill-Kreises um 21.27 Uhr Katastrophenalarm aus. Dies ermöglichte, dass neben den bereits im Einsatz befindlichen Kräften der Hilfsorganisationen weitere Sanitätskräfte aus dem Raum Gießen/Wetzlar anrückten, die dann aber größtenteils in Bereitschaft verblieben. Dies galt auch für Kräfte des THW, da die Brandbekämpfung noch nicht soweit fortgeschritten war, dass man mit den Such- und Bergungsarbeiten beginnen konnte. Gegen 21.40 Uhr wurde die Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main von der Rettungsflugwacht informiert und rückte nach Herborn aus. Gegen 21.57 Uhr konnte ein erstes Todesopfer geborgen werden. Im Zuge der Brandbekämpfung kam es vor allem darauf an, die sich in unmittelbarer nähe der brennenden Häuser befindlichen Gebäude zu schützen und den Schaden auf den Entstehungsbereich zu begrenzen. So wurden mit massiven Löschwassereinsatz von rund 500 Kubikmetern pro Stunde sowohl die Brandobjekte gelöscht, als auch die Wärmestrahlung auf die angrenzenden Gebäude gemildert. Zwei Einsatzschwerpunkte bildete man zu diesem Zweck. Messungen der Treibstoffdämpfe in der Kanalisation und im gesamten Schadensgebiet nahm ab 22.48 Uhr die Besatzung eines GW-Chemie vor. Zu deren Verstärkung erfolgte um 23.12 Uhr die Alarmierung  des ABC-Zuges Lahn-Dill. Ab 23.00 Uhr setzte die zur Unterstützung der heimischen Feuerwehren eintreffende Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main zwei Großtanklöschfahrzeuge und mehrere Sonderfahrzeuge ein. Etwa 250 Meter vom Schadensgebiet entfernt baute man die Einsatzleit- und Betreuungsstelle auf einem Parkplatz auf. 29 Verletzte waren zu diesem Zeitpunkt registriert, die Polizei gab zu diesem Zeitpunkt etwa 30 bis 50 Personen als Vermisst an. Kurz vor Mitternacht zeigten die Löschmaßnahmen soweit Erfolg, dass ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Objekte nicht mehr befürchtet werden musste.

Einsatzablauf am 2. Einsatztag

Um 00.17 Uhr sind die Brände im Umfeld des eingestürzten Gebäudes Nr. 109 (Hauptschadensstelle) soweit eingedämmt, dass mit den Such- und Bergungsarbeiten begonnen werden kann. Allerdings müssen immer wieder neu aufflackernde Brandnester abgelöscht werden. Zunächst werden zwei bereitstehende Autokräne eines Privatunternehmens eingesetzt, um den verunglückten Tanklastzug zu bergen. Zahlreiche Helfer mehrerer THW Ortsverbände beginnen vorsichtig mit dem Abtragen der Trümmer. Auch zwei Rettungshundestaffeln kommen zum Einsatz. Die fortlaufend durchgeführten Messungen im Schadensgebiet und im Kanalnetz ergeben auch noch gegen 03.00 Uhr ein explosionsfähiges Gas-Luft Gemisch, weshalb sich die Einsatzleitung zur Spülung des Kanalnetzes entschließt. Als Spitzenbedarf werden für die Maßnahmen 700 Kubikmeter Wasser pro Stunde benötigt. Nach einiger Zeit zeigen die eingeleiteten Maßnahmen Wirkung, die Konzentrationen gingen zurück, stiegen jedoch sofort wieder, wenn die Spülung nachließ. Die in den frühen Morgenstunden eingesetzten Rettungshundestaffeln ermittelten keine Hinweise auf noch unter den Trümmern liegende, lebende Personen. Trotzdem gingen die Such-, Bergungs- und Aufräumarbeiten mit äußerster Vorsicht weiter. Parallel zu diesen Arbeiten mussten immer wieder kleinere Brandnester in den umliegenden Gebäuden abgelöscht werden. Der Katastrophenalarm wurde um 13.00 Uhr aufgehoben. Kurze Zeit später wird ein weiteres Opfer aus den Trümmern geborgen. Gegen 19.22 Uhr nähern sich die Sucharbeiten dem Ende, alle Geschoßdecken sind aus dem Geröll entfernt. Um 21.42 Uhr meldet sich die letzte noch vermisste Person bei der Polizei, die Suche kann abgebrochen werden. Wiederaufflammende Glutnester und hohe Gas-Luft Gemische in der Kanalisation machten auch in den Folgetagen immer wieder den Einsatz der Feuerwehr Herborn notwendig. Zusätzlich wurde sie zur Absperrung der Einsatzstelle eingesetzt, nachdem die Bereitschaftspolizei die Einsatzörtlichkeit am 09.07. verlassen hatte.

Personen- und Sachschäden

Auf seiten der Bevölkerung sind durch unmittelbaren Einfluss des Unglücks zwei Todesopfer zu beklagen. Sie kamen durch Feuer bzw. durch eingestürzte Gebäude ums Leben. Weitere drei Menschen erlagen in den folgenden Tagen ihren schweren Brandverletzungen. Bedingt durch die Aufregung über den Unglücksfall starb eine 64-jährige Frau an Herzversagen. 38 zum Teil schwerstverletzte Personen wurden in Krankenhäuser eingeliefert oder ambulant behandelt. Viele der Patienten wiesen Schnittverletzungen durch Glassplitter auf, die im Augenblick der Explosion durch die Luft geschleudert wurden. Insgesamt acht Feuerwehrangehörige wurden während des Einsatzes verletzt, ebenso ein Rettungsdienstmitarbeiter. Mehrere Gebäude wurden so stark beschädigt, dass sie in den nachfolgenden Wochen angerissen werden mussten. Nach ersten Schätzungen lag der reine Gebäudeschaden bei rund zehn Millionen Mark, den Gesamtschaden schätzte man unmittelbar nach dem Unglück auf über 40 Millionen Mark. Das gerade bei spektakulären Feuerwehreinsätzen immer wiederkehrende Problem der Schaulustigen wurde durch den massiven Einsatz der hessischen Bereitschaftspolizei  bzw. durch weiträumige Absperrmaßnahmen gut umgangen. Lediglich die manchmal unüberschaubare Anzahl an Rundfunk- und Pressejournalisten machte bei allzu großer Aufdringlichkeit energische Zurechtweisungen seitens der Ordnungskräfte notwendig. Durch die günstige Wetterlage konnten die Brandgase bzw. der Brandrauch nahezu senkrecht aufsteigen, ohne dass dadurch Belästigungen für die angrenzenden Wohngebiete auftraten. Anders verhielt es sich mit dem unverbrannten Treibstoff, der durch die Kanalisation und den Fluss Dill dem Klärwerk Edingen zufloss. Dort wurde er in ein leerstehendes Klärbecken geleitet und anschließend fachgerecht entsorgt.

Rückblick: Zürich/Schweiz 1988 – Notruf: „Hotel International – Feuer 24. Stock“

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

14. Februar 1988, kurz nach 13.00 Uhr. Ein 19-jähriger Kellnerlehrling steht im Servicedurchgang neben der Bar des Panoramarestaurants im 24. Obergeschoß des Hotels International in Zürich-Oerlikon und füllt ein noch warmes Buffet-Rechaud auf. Aus einem dazu benutzten Brennspirituskanister mit 5 Liter Inhalt läuft eine kleine Menge daneben, ein gefährliches Spiritus-Luft-Gemisch entsteht. Dann will der Lehrling den unverschlossenen Behälter auf ein Regal stellen, doch er fällt herunter. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Durch einen Funken entzünden sich das explosionsfähige Gemisch und der aus dem Kanister austretende Spiritus. Die sofort ergriffenen ersten Löschversuche haben keinen Erfolg, die Flammen greifen auf einen Vorhang über, eine Kettenreaktion läuft an. In der angrenzenden Bar explodieren Spirituosen, das sich rasend schnell ausbreitende Feuer springt auf den vor allem mit hölzernen Platten und Spannteppichen ausgekleideten Restaurantbereich über. Nicht alle, die sich zu diesem Zeitpunkt im Panorama Grill aufhalten, können sich in Sicherheit bringen. Von 35 Personen verlieren 6 ihr Leben, darunter vier Gäste.

Das Hotel

Das Hotel International wurde in den Jahren 1969 bis 1972 in Betonbauweise errichtet. Es umfasst 32 Stockwerke, die sich in vier Unter- und 28. Obergeschosse aufgliedern. Die vier Untergeschosse bilden zusammen mit dem Erdgeschoss und dem 1. Obergeschoss einen Sockel, aus dem der eigentliche Turmbau mit einer Grundfläche von 19×35m aufsteigt. Dieser wird durch vier Personenaufzüge, zwei Sicherheitstreppenräume und drei Warenaufzüge erschlossen. Die getroffenen Brandschutzvorkehrungen bestehen aus Geschossweisen Brandabschnitten, Hotelzimmern als Brandzellen ausgebildet, zwei Sicherheitstreppenräume als Fluchtwege. Im Panoramarestaurantbereich gliedern sich die Brandschutzvorkehrungen in zwei Brandabschnitte, Panoramarestaurant und Heizung. Als Alarmierungseinrichtungen und löschtechnische Maßnahmen wurden eine automatische Brandmeldeanlage, Sprinklerschutz im Tiefgaragenbereich, pro Stockwerk ein sog. Wasserlöschposten mit Handfeuerlöscher und Handalarmtaster, 2“- Steigleitung zur Speisung der Wasserlöschposten mit Einspeisemöglichkeit zur Druckerhöhung im Gebäude verbaut.

Alarmierung, Feuerwehreinsatz

Über den Notruf 118 geht, noch bevor die automatische Brandmeldeanlage des Hotels in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr anspricht, um 13.30 Uhr der erste Notruf ein. Wenige Minuten später erreichen die ersten Einsatzkräfte das Hotel, aus dem Bereich des Panoramarestaurants schlagen bereits meterhohe Flammen. Da die Gefahr einer Brandausbreitung besteht, muss der Hotelkomplex geräumt werden. Rund 180 Gäste werden innerhalb von zehn Minuten evakuiert, alle Zimmer vom 13. bis 23. Stock durch Feuerwehrangehörige kontrolliert. Der Löschangriff gestaltet sich schwierig. Die Einsatzkräfte müssen, da auch ein notstromversorgter Aufzug nicht funktioniert, zu Fuß über die beiden Treppenräume vorgehen. Unter Atemschutz müssen zusätzlich ca. zehn bis 15 Kilogramm Löschmaterial pro Mann nach oben transportiert werden, durchschnittlich fünf Minuten benötigen die Feuerwehrmänner für diese Strecke. Rund zehn bis 12 Minuten nach der Alarmierung erfolgt der erste Löschangriff. Die Hitze ist zu diesem Zeitpunkt bereits so stark, dass die Feuerwehrmänner nur etwa einen Meter in den Restaurantbereich vordringen können. Die Trupps lösen sich im 15-Minuten-Turnus ab, bereits der zweite Trupp findet die ersten Opfer. Heruntergefallene Deckenverkleidungen und Ventilationsteile erschweren das Vordringen erheblich. Gegen 15.00 Uhr haben die rund 100 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Zürich, des Piketts Glattal, der Pflichtfeuerwehr-Kompagnien 12 (Affoltern/Seebach) und 13 (Oerlikon/Seebach) sowie des Piketts Wallisellen das Feuer unter Kontrolle. Die Gefahr für die darunterliegenden Stockwerke ist gebannt.

Rückblick: Lissabon/Portugal 1988 – Die Altstadt brennt

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

Lissabon zählt zu den schönsten Städten der Welt. Vor allem die Altstadt mit ihren engen, verwinkelten Gassen, Patrizierhäusern und eleganten Geschäften lockt Jahr für Jahr Besucher aus vielen Nationen an. Dieses Chiado-Viertel wurde 1755 von einem schweren Erdbeben fast völlig zerstört. Um die Gebäude erdbebensicher zu machen, verwendete man beim Wiederaufbau besonders viel Holz als Baumaterial. Naturgemäß entsprechen auch die Sicherheitsabstände zwischen den einzelnen Gebäuden nicht den heutigen Standards, insgesamt gesehen besteht erhöhte Brandgefährdung. Wie hoch diese einzuschätzen ist, wird in den Morgenstunden des 25. August 1988 deutlich.

Altstadt in Flammen

Es ist ruhig in diesen ersten Morgenstunden. Das eine oder andere Schaufenster ist noch beleuchtet, die ein oder andere Neonreklame brennt noch. Eine kühle Meeresbriese weht durch das Stadtviertel und bringt nach der Hitzewelle der letzten Tage etwas Erleichterung für die Bewohner in den Mansarden, die noch nicht zu Büroräumen umfunktioniert wurden. Sie werden durch das Krachen splitternden Holzes und das Klirren berstender Scheiben unsanft aus dem Schlaf gerissen, beim Blick aus den Fenstern sehen sie das brennende Kaufhaus Grandella. Noch bevor die ersten Einsatzkräfte eintreffen, springt das Feuer bereits auf ein zweites Gebäude über. Als einer der ersten hat es wohl ein Nachtwächter entdeckt. Um 04.45 Uhr bemerkt er bei seinem Rundgang in der Rua do Carmo das Ereignis und versucht von einer Telefonzelle aus, die Feuerwehr zu alarmieren. Zwar kommt die Verbindung zur Notrufzentrale zustande, der Zentralist kann die Meldung aber nicht verstehen. Der Nachtwächter rennt deshalb quer über die Straße und versucht die Anwohner durch Schreien zu alarmieren. Weitere Menschen werden nun auf das Ereignis aufmerksam und setzen sich mit der Polizei in Verbindung. Die Feuerwehr erhält die erste auswertbare Meldung allerdings erst um 05.19 Uhr, die automatischen Brandmeldeanlagen in den zu diesem Zeitpunkt bereits betroffenen Geschäften sprechen an. Mannschaften der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Feuerwehren treffen etwa zum gleichen Zeitpunkt ein. Das Feuer hat zwischenzeitlich auch das Warenhaus Chiado ergriffen, springt auf die andere Seite der Rua do Carmo über, frisst sich weiter in die Rua Nova do Almada hinein, wütet in der Rua Garett. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf beginnt, der ganze Stadtteil ist in rötlich-gelbes Licht getaucht.

Während die Anwohner versuchen, wenigstens einen kleinen Teil ihrer Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen, müssen sich die Einsatzkräfte immer wieder zurückziehen, bleibt ihnen nur der Versuch, ein weiteres vordringen des Feuers zu verhindern. An erfolgreiche Löschmaßnahmen ist zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Neben den Kräften der Berufsfeuerwehr sowie der freiwilligen Feuerwehr der Stadt Lissabon werden auch 53 freiwillige Feuerwehren aus der Lissabonner Umgebung aufgeboten. Schließlich sind mehr als 1000 Einsatzkräfte mit Rund 100 Fahrzeugen im Einsatz. Fünf Stunden nach der ersten Alarmierung erscheint die Lage immer noch hoffnungslos. Begünstigt durch den zwischenzeitlich stark aufkommenden Wind und durch die wie Zunder brennenden Holzkonstruktionen breitet sich das Feuer immer weiter aus. Explodierende Gasflaschen erschweren den Einsatz zusätzlich. Gegen 08.00 Uhr ist von den beiden Kaufhäusern Grandella und Chiado nicht viel mehr als ein riesiger Gluthaufen übrig. Der Kampf der portugiesischen Feuerwehrmänner in fast unerträglicher Hitze geht weiter. Immer enger versuchen sie ihren Kreis zu ziehen. Gegen 10.00 Uhr hat der Brand bereits 15 Gebäude zerstört. Mitglieder des Roten Kreuzes versuchen in Feldlazaretten den Verletzten zu helfen und versorgen die im Einsatz befindlichen Einsatzkräfte mit Getränken. In der nähe einer Schule können zwei Frauen, sie sich auf einen kleinen Balkon geflüchtet haben, von Einsatzkräften gerettet werden. Eine weitere Frau wird mittels Rettungsleine über einen schmalen Sims in den Schulhof gebracht. Ein weiterer Rettungsversuch schlägt fehl. Als ein Feuerwehrmann das gleiche auch mit ihrem Mann versuchte, züngelte eine Stichflamme hoch. In diesem Moment verliert der völlig verängstigte Pensionär das Gleichgewicht und stürzt kopfüber in die Tiefe. Er bleibt nicht das einzige Opfer. Ein Feuerwehrmann erleidet erleidet so schwere Verbrennungen, dass er wenige Tage später im Krankenhaus verstirbt.

Gegen 12.00 Uhr ist das Feuer unter Kontrolle, erste Bilanz: 7500 Quadratmeter Altstadt sind „eingeäschert“, 28 Menschen liegen in Krankenhäusern, viele von ihnen mit schweren Rauchgasintoxikationen. Unzählige haben Obdach oder Arbeitsplatz verloren. Im historischen Viertel Chiado sind 18 Gebäude bzw. Gebäudekomplexe zerstört, darunter das einst glanzvolle nach einem Pariser Vorbild errichtete Warenhaus Grandes Armazens do Chiado. Nur noch Ruinen sind von den zwei Dutzend Boutiquen, den vielen kleinen Restaurants, Buchhandlungen, Juweliergeschäften, Konditoreien und Antiquariaten übriggeblieben. Das Archiv eines Musikverlegers mit unersetzbaren Zeugnissen der portugiesischen Musik ist verbrannt, im Casa Batalha, dem ältesten Geschäft des Landes, wurden die antiken Laden- und Büromöbel zerstört. Insgesamt beläuft sich der materielle Schaden auf rund 500 Millionen Mark, unermesslich groß ist der Verlust an historischen und ideellen Werten. Den Einwohnern bleibt nur der Trost, dass nicht noch mehr Menschen getötet worden sind und das Feuer eingedämmt werden konnte. In der Ausbreitungsrichtung des Brandes liegen unter anderem das Theater Sao Carlos und die Akademie Belas Artes. Nur zwei Häuser entfernt steht die restaurierte gotische Kirche Igreja do Carmo, die 1755 beim großen Erdbeben zerstört worden war und nun das Archäologische Museum beherbergt. Als Ursache für das verheerende Feuer wird Brandstiftung aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausgeschlossen. In Verdacht gerät der hochverschuldete Hauptaktionär des Kaufhauses Grandella. Ihm wird vorgeworfen, einen Versicherungsbetrug geplant zu haben. Erhärtet wird dieser Verdacht durch die Tatsache, dass gegen ihn schon einige Jahre zuvor wegen Brandstiftung und Versicherungsbetrug ermittelt wurde, als ein anderes seiner Firmengebäude einer Brandstiftung zum Opfer fiel.

Rückblick: Ramstein 1988 – Katastrophe bei Flugtag

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

Rund 300.000 Menschen wurden am 28.08.1988 während einer Flugschau auf dem US-Flugplatz Ramstein bei Kaiserslautern Augenzeuge einer Flugzeugkollision. Gegen 16.00 Uhr führte die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ ein sogenanntes Begegnungsmanöver durch. Aus zwei Richtungen flogen jeweils vier Maschinen in Bodennähe aufeinander zu, um dann untereinander vorbeizufliegen. Die neunte Maschine des Staffelführers kreuzt dabei quer zur Flugrichtung der acht anderen Maschinen. Dabei kollidierten zwei Maschinen und rissen ein drittes Flugzeug mit zu Boden. Wie ein Feuerball stürzten Trümmer in den Zuschauerbereich, mehr als 30 Tote mussten geborgen, mehr als 500 Verletzte, viele davon schwer, versorgt werden. Da das Feuer selbst von der US-Flughafenfeuerwehr gelöscht werden konnte, wurden die Kräfte der alarmierten Feuerwehren vor allem zur Rettung von Verletzten, Betreuung betroffener Personen, Beseitigung von Stacheldrahtzaun und sonstigen Absperrvorrichtungen eingesetzt. Die vor Ort vorhandenen Hilfsmannschaften der US-Streitkräfte und des DRK (insgesamt standen von dieser Organisation 200 Kräfte, darunter sieben Ärzte und 21 Rettungssanitäter mit vier Krankentransportwagen sowie zwei Notarzt-Einsatzfahrzeugen in Bereitschaft) erhielten rasch Verstärkung aus dem Landkreis. Rettungshubschrauber der Bundeswehr, der US-Streitkräfte, Hubschrauber des Katastrophenschutzes und des Rettungsdienstes unter anderem aus Mannheim, Saarbrücken, Ludwigshafen und Wittlich übernahmen Transportaufgaben. Hubschrauber der Deutschen Rettungsflugwacht flogen teilweise ohne Anforderung der Einsatzleitung zur Unfallstelle. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Rettungsmaßnahmen – in den folgenden Tagen wurden wie bei solchen Ereignissen scheinbar unvermeidlich, zahlreiche Vorwürfe in der Öffentlichkeit erhoben – muss berücksichtigen, dass in der konkreten Situation mehr als 300.000 Menschen Zeugen des Ereignisses waren, in den ersten Minuten nach dem Absturz durch die brennenden Wrackteile und das bestehende weitere Explosionsrisiko zusätzliche Gefahren nicht auszuschließen waren und dass es eine Vielzahl von Verletzten gleichzeitig zu Versorgen galt, die zudem in der Menschenmenge regelrecht durch die Einsatzkräfte „aufgespürt“ werden mussten. In einem Bericht zur Koordination der Rettungsmaßnahmen für die Sitzung des Verteidigungsausschusses als erstem Untersuchungsausschuss kommt das Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz unter anderem zu folgender Zusammenfassung: Obwohl eine abschließende Beurteilung des Unglücks und der zu seiner Bewältigung getroffenen Rettungsmaßnahmen erst nach einer endgültigen Auswertung aller Stellungnahmen möglich ist, kann bereits festgestellt werden: Angesichts des Ausmaßes verlief der Rettungseinsatz trotz der aufgetretenen Koordinierungsprobleme und Pannen insgesamt gesehen gut. Die Masse der Verletzten war nach relativ kurzer Zeit in adäquater ärztlicher Betreuung. Bei solchen Großeinsätzen kommt es zwangsläufig auch bei den Einsatzkräften zu Hektik, so dass Pannen niemals ganz auszuschließen sind. In aufopferungsvoller Arbeit setzten sich viele hundert deutsche und amerikanische Helferinnen und Helfer, Ärzte, Polizeibeamte, Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger bis an die Grenze der eigenen Kräfte bei der Versorgung der Verletzten ein. Die in der Öffentlichkeit erhobene teilweise heftige Kritik stützte sich unter anderem auf nicht belegbare pauschale Vorwürfe. Dadurch konnte der Eindruck entstehen, der gesamte Einsatz sei mangelhaft gewesen. Behandelnde Ärzte verbaten sich pauschale Kritik und Ferndiagnosen aus vielen hundert Kilometer Entfernung. Viele Helfer sind demoralisiert. Sie hatten geglaubt, ihr Einsatz werde entsprechend gewürdigt, sahen sich in der öffentlichen Diskussion aber oftmals als schlecht ausgebildete Versager abgestempelt. Diese Entwicklung könnte langfristig dazu führen, dass es immer schwerer werden wird, geeignete Freiwillige für den sehr verantwortungsvollen, ehrenamtlichen Dienst in den Hilfsorganisationen zu gewinnen.

Rückblick: Lockerbie/Großbritannien 1988– Jumbo-Absturz über Wohngebiet

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

In den Abendstunden des 21.12.1988 wird ein Alptraum für jeden Feuerwehrangehörigen Realität. In der nähe der kleinen Stadt Lockerbie (heute ca. 4.000 Einwohner) explodiert ein Jumbo-Jet der US-Fluggesellschaft PanAm. Teile der Maschine stürzen direkt in die Ortschaft, zahlreiche Brände brechen aus. Die ersten Einsatzkräfte finden ein großes Schadensgebiet mit zunächst weitgehend übersichtlicher Lage vor. Die B747 – auf dem Flug von London-Heathrow nach New York mit 259 Menschen an Bord – wurde Opfer eines Anschlags. Die Maschine zerbricht in der Luft, Trümmerteile und Leichen werden über ein großes Gebiet verstreut. Die Brände und Wrackteile konzentrieren sich auf sechs Hauptschadensgebiete. Daneben gibt es aber auch weit verstreute kleinere Feuer und Wrackteile. Auf der angrenzenden Autobahn kommt es zu Fahrzeugbränden. Eine der Tragflächen des Jumbo stürzt zusammen mit anderen Flugzeugteilen mitten in Wohnhäuser und verursacht einen riesigen Krater. Elf Bewohner kommen in diesem Bereich ums Leben, das gesamte Gebiet ist in dichten Rauch gehüllt.

19.04 Uhr: Erster Notruf

Der erste Notruf geht um 19.04 Uhr bei der Einsatzleitstelle der Feuerwehr ein. Gemeldet wird zunächst die Explosion eines Gasboilers im Stadtgebiet von Lockerbie. Weitere Anrufe folgen, aber erst die Meldung eines sich zufällig vor Ort befindlichen Feuerwehroffiziers bringt Klarheit – Flugzeugabsturz mit großem Feuerball, eine Vielzahl von Bränden und vermutlich zahlreiche Opfer. Innerhalb der ersten Stunde wird die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge auf über 15 erhöht. Bald wird ersichtlich, dass es eine relativ geringe Zahl von Opfern am Boden gegeben hat. Mit Überlebenden aus dem Flugzeug kann allerdings nach Lage der Dinge kaum gerechnet werden. In der ersten Phase galt es neben der Suche nach Überlebenden vor allen Dingen, ein Übergreifen der Brände auf weitere Objekte zu verhindern. Dabei gab es Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung. Einer der Flugzeugmotoren hatte die Hauptwasserleitung beschädigt, ein kleiner Krater zeugte von der Wucht des Einschlags. Kurzerhand angeforderte Milchtransportwagen mit großvolumigen Tanks übernehmen den Wassertransport und die Versorgung der Löschfahrzeuge an verschiedenen Einsatzstellen. Eine erneute Erkundung des gesamten Einsatzgebietes ergibt folgende Situationsmeldung: „Alarmstufe auf 20 Fahrzeuge erhöhen. Große Zahl von Bränden im Gebiet von Lockerbie auf einer Fläche von 11×2 Meilen. 40 hauptsächlich eingeschossige Wohngebäude total oder teilweise durch Brandeinwirkung und(oder Flugzeugtrümmer zerstört“. Ab 22.30 Uhr sind die Löscharbeiten weitgehend abgeschlossen, die eingesetzten Mannschaften – viele Berufsfeuerwehrmänner sind direkt aus ihrer Freizeit in die jeweiligen Wachen geeilt. Um die Diensthabenden Kräfte zu unterstützen – können sich etwas Ruhe gönnen. Um 02.22 Uhr am 22.12.1988 wird ein weiteres Schadensgebiet entdeckt, in der nähe einer Farm können weitere Opfer und Wrackteile lokalisiert werden. Eine langwierige Suchaktion in diesem Abschnitt läuft an. Um 14.12 Uhr sind die letzten Brandnester gelöscht. Die Feuerwehr bleibt allerdings vor Ort in Bereitschaft und hilft den Untersuchungsbehörden bei ihrer Arbeit. Insgesamt kamen 188 Mann zum Einsatz, 20 Löschfahrzeuge, mehrere Sonderfahrzeuge und auch Einsatzfahrzeuge zweier Militärfeuerwehren waren vor Ort. Das Unglück forderte 270 Todesopfer, 259 Opfer stammten aus der Maschine, die restlichen 11 Todesopfer waren Einwohner der Stadt Lockerbie.

Rückblick: Beispiellose internationale Hilfsaktion nach Erdbeben in Armenien 1988/1989

März 01, 2010 Von: Andre Miebach Kategorie: Rückblicke Noch keine Kommentare →

Am 07.12.1988 gegen 11.41 Uhr verwüstete ein schweres Erdbeben weite Teile der an der Südgrenze der UdSSR gelegenen Republik Armenien. Städte wie Leninakan und Spitak verwandeln sich innerhalb weniger Augenblicke in Trümmerhaufen, die gesamte Infrastruktur bricht weitgehend zusammen. Etwa 60 – 70.000 Menschen kommen in der vom Beben betroffenen Region ums Leben, die Zahl der Obdachlosen überschreitet die Millionengrenze. Gegenüber früheren großen Schadensereignissen und Naturkatastrophen versucht die UdSSR diesmal nicht, zunächst einen „Mantel des Schweigens“ über das Ereignis zu legen. Ganz im Sinne von Glasnost gehen innerhalb kürzester Zeit Bilder und Informationen über die Ticker der Nachrichtenagenturen in die ganze Welt. Und nicht nur das, die Regierung der UdSSR akzeptiert schnell die Angebote anderer Nationen, nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Helfer in das Katastrophengebiet zu entsenden. Eine der bis dahin größten internationalen Hilfsaktionen rollt an. In einem Wettlauf mit der Zeit bemühen sich in den folgenden Tagen Hunderte von Helfern aus verschiedensten Ländern – Ärzte, Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Spezialisten für Such- und Bergungsarbeiten, Rettungshundestaffeln und auch Feuerwehrangehörige – unter den Schutt- und Trümmerbergen Überlebende aufzuspüren.

Aus der Bundesrepublik unter anderem mit dabei sind auch die Helfer des technischen Hilfswerkes, die für diesen Einsatz durch die Rettungshundestaffel der rheinland-pfälzischen Feuerwehr verstärkt wurden. Das Hilfsangebot der Bundesregierung wurde am 09.12.1988 akzeptiert. Unverzüglich wurde die „Schnelleinsatzeinheit Bergung-Ausland“ (SEEBA) des THW alarmiert und am nächsten Tag nach Eriwan geflogen. Von dort aus erfolgte der Weitertransport in das vorgesehene Einsatzgebiet Spitak. Die Einheit besteht aus 65 Helfern und wurde aufgrund der bei der Erdbebenkatastrophe 1985 in Mexiko gewonnenen Erfahrungen aufgestellt. Neben luftverlastbarem Bergungsgerät und Verpflegung für 14 Tage verfügt sie über neun Suchhunde und zwei elektronische Ortungsgeräte. Beim Armenieneinsatz wurde sie durch eine Rettungshundestaffel der Feuerwehr Rheinland-Pfalz mit fünf Rettungshunden verstärkt.

Schwierige Bedingungen

Die Helfer mussten ihre Bergungsarbeiten unter schwierigsten Bedingungen (Tagestemperaturen unter dem Gefrierpunkt, Nachttemperaturen bis zu minus 20 Grad) verrichten. Die Stadt Spitak war völlig zerstört, und den Behörden war nicht bekannt, an welchen Stellen noch verschüttete Personen lagen. Die Rettungsmannschaften waren deshalb bei der Organisation des Einsatzes weitgehend auf sich gestellt. Da die Schnelleinsatzeinheit erst rund 79 Stunden nach dem Erdbeben zum Einsatz kam, waren angesichts der totalen Schadenslage und der Kälte die Chancen, Überlebende zu retten, äußerst gering. Die Helfer aus der Bundesrepublik konnten neben zahlreichen Toten aber auch zehn Überlebende (darunter mehrere Kinder) aufspüren. Erstes Einsatzgebiet bildete eine Fabrik auf einem etwa 0,5 Quadratkilometer großen, zertrümmerten Industriegelände. Etwa 500 bis 700 Personen wurden nach örtlichen Schätzungen dort vermisst.

Die Hunde konnten sehr viele Tote orten, die teilweise unter erschwerten Bedingungen geborgen wurden. Es wurde auch eine Erkundung im Umkreis von 20 km in kleineren Ortschaften durchgeführt, wo sich ein ähnliches Bild wie in Spitak zeigte. 90Prozent der Gebäude total zerstört, die restlichen zehn Prozent schwer angeschlagen bis teilzerstört. In diesen Dörfern lebten zwischen 200 und 1000 Personen. In den ersten Tagen setzte sich die THW-Mannschaft zum allergrößten Teil selbst ein. Die Einsatzleitung vor Ort bestand lediglich aus zwei Mann, die versuchten, Ordnung in das Chaos zu bringen. Die ersten Helfer kehrten am 15.12.1988 wieder zurück.

Zweite Hilfsmannschaft

Als bekannt wurde, dass für die weiteren Bergungs- und Räumarbeiten schweres technisches Gerät fehlte, bot der Bundesminister des Innern am 10.12.1988 die Entsendung einer weiteren Hilfsmannschaft mit Bergungsräumgerät an. 76 Helfer des THW, begleitet von drei Helfern des Arbeiter-Samariter-Bundes mit eigener Satelliten-Kommunikationsstation flogen am 13.12.1988 ab. Der Transport der Bergungsräumgeräte – eigens entwickelte multifunktionale Knicklader – erfolgte mit sowjetischen Großraumflugzeugen aus Stuttgart. Die Mannschaft wurde in der von Eriwan ca. 130 km entfernten Stadt Stepanawan eingesetzt. Ein drittes Hilfskontingent folgte dann am 21.12.1988 (47 Helfer), diese Kräfte kamen in Leninakan zum Einsatz und blieben bis zum 04.01.1989 vor Ort. Auf sowjetischen Wunsch beließ die Bundesregierung die in Armenien eingesetzten sechs Bergungsräumgeräte sowie weiteres technisches Gerät des THW vor Ort für weitere Bergungs- und Räumarbeiten. Zur Einweisung des sowjetischen Bedienpersonals wurde ein viertes Team mit fünf Helfern nach Leninakan entsandt, das sich dort von 04. bis 15.01.1989 aufhielt. Bei diesem bis dahin größten Auslandseinsatz des THW wurden insgesamt 189 Helfer eingesetzt.